Absatzfinanzierung: günstig zum Traumauto?

Da steht es nun, Ihr Traumauto, in der Ausstellungshalle eines Autohauses, und Sie würden es nur zu gern kaufen. Aber eine wichtige Kleinigkeit lässt Sie zögern: der hohe Kaufpreis.

„Kein Problem“, lässt der clevere Autoverkäufer Sie wissen, „schauen Sie sich die Preisauszeichnung an, wir bieten bequeme Ratenzahlungen“.

Der angebotene Autokauf auf Raten ist ein typischer Fall der Absatzfinanzierung. Der Kauf auf Raten gehört heute zum Alltag.

Ob Möbel, Kücheneinrichtungen und -geräte, Computer, Unterhaltungselektronik, Smartphones oder selbst Kleidung vom Versandhandel, alles kann per Absatzfinanzierung auf Raten erworben werden.

Ihr Zahnarzt unterbreitet Ihnen ein Kreditangebot für eine teure Behandlung? Ihr Arzt schlägt die Fremdfinanzierung einer nicht ganz preisgünstigen Schönheitsoperation vor? Auch das ist Absatzfinanzierung.

Absatzfinanzierungen gehörten nicht immer zum täglichen Leben. Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde diese Finanzierungsform vor allem von Firmen genutzt, die Küchengeräte und Geschirr per Hausbesuch an die Frau oder den Mann brachten.

Erst später etablierten sich Absatzfinanzierung im Autohandel.

Ratenkauf-Angebote sind ein machtvolles Verkaufsargument. Aber profitieren die Käufer, die Konsumenten, ebenso?

Um das herauszufinden, klären wir zunächst die Frage, worum es sich bei der Absatzfinanzierung überhaupt handelt.

Wie funktioniert eine Absatzfinanzierung?

Absatzfinanzierung lässt sich relativ einfach definieren. Es handelt sich um die Fremdfinanzierung von Waren und Dienstleistungen.

Die Absatzfinanzierung kann im Rahmen von Kaufverträgen stattfinden, damit dem Käufer die Erfüllung seiner Zahlungsverpflichtungen erleichtert wird. Sie kann aber ebenso im Zusammenhang mit Dienstleistungsverträgen und Serviceverträgen erfolgen.

Im Privatkundengeschäft sind zwei Finanzierungsmodelle üblich: Kredite und Leasingverträge. Im gewerblichen Bereich kommen noch besondere Kreditvarianten hinzu wie Wechselkredite oder Factoring.

Im Rahmen der Absatzfinanzierung vergebene Kredite sind immer zweckgebunden und dienen ausschließlich der Finanzierung des Kaufgegenstandes oder der vereinbarten Dienstleistung.

Unterschieden werden zwei Formen der Absatzfinanzierung: die direkte und die indirekte. Beide Begriffe werden leider unterschiedlich verwendet, je nachdem von welchem Blickwinkel aus man sie definiert.

Manchmal wird von der direkten Absatzfinanzierung gesprochen, wenn die Bank in den einzelnen Finanzierungsvorgang nicht involviert ist und manchmal umgekehrt.

Wir definieren beide Begriffe danach, ob der Händler dem Kunden direkt als Finanzierer von Waren oder Dienstleistungen gegenübertritt, oder ob eine Bank zusätzlich in Erscheinung tritt.

Direkte Absatzfinanzierung

Bei der direkten Absatzfinanzierung erhält der Kunde das Darlehen oder den Leasingvertrag direkt von seinem Vertragspartner.

Die Bank bleibt im Hintergrund. Sie stellt beispielsweise Mittel zur Refinanzierung des Kreditbetrages zur Verfügung.

Dem Händler oder dem Anbieter der Dienstleistung wird auf diese Weise ermöglicht, die mit der Refinanzierung verbundenen wirtschaftlichen Vorteile an den Kunden weiterzugeben und dem Kunden auf diese Weise eine besonders günstige Fremdfinanzierung des Kaufgegenstandes oder der Dienstleistung zu bieten.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird häufig von einem Ratenkauf gesprochen.

Indirekte Absatzfinanzierung

Bei der indirekten Absatzfinanzierung schließt der Kunde einen Vertrag mit dem Händler oder mit dem Dienstleister. Daneben ist aber eine externe Kreditbank beteiligt, die die Kreditvergabe abwickelt und das Darlehen zur Verfügung stellt.

Das Darlehen wird jedoch nicht an den Verbraucher ausgezahlt, sondern direkt an den Händler.

Der Verbraucher erhält den Kaufgegenstand oder kann die Dienstleistung abrufen und zahlt gleichzeitig die Raten an die externe Bank.

Welche Banken befassen sich mit Absatzfinanzierungen?

Absatzfinanzierungen in Kooperation mit Händlern und Dienstleistern sind für Banken ein gutes Geschäft. Praktisch alle Banken befassen sich mit der Kreditvergabe im Rahmen von den unterschiedlichen Formen der Absatzfinanzierung.

Das gilt selbst für Großbanken, wie die Deutsche Bank und die Commerzbank. Aber auch viele aus dem Internet bekannte Direktbanken befassen sich mit der Absatzfinanzierung und haben Kooperationsverträge mit Handelshäusern oder Onlinehändlern geschlossen.

Die Creditplus Bank beispielsweise arbeitet nach eigenen Angaben mit Apple, Miele, Suzuki, Piaggio oder Viessmann zusammen. Die Targobank kooperiert mit Online Elektrohändlern.

Die Santanderbank betreibt Absatzfinanzierung vor allem beim Kfz Handel und bei den damit verbundenen Dienstleistungen (Serviceverträgen). Sie stellt sowohl Fahrzeugleasing als auch Kredite zur Verfügung.

Die Herstellerbanken großer Autohersteller wie BMW, Mercedes oder VW befassen sich schwerpunktmäßig mit der Absatzfinanzierung.

Die Hanseatic Bank gehörte bis 2005 zu 90 % dem Otto-Versand. Die restlichen 10 % hielt Schwab. Seit 2005 gehören 75 % der Bank einer französischen Großbank während 25 % bei Otto verbleiben. Das Kreditinstitut war lange Zeit schwerpunktmäßig mit der Abwicklung von Absatzfinanzierungen befasst.

Eine weitere, auf Absatzfinanzierung spezialisierte Bank, ist die Bank11. Sie stellt vor allem Einkaufsfinanzierungen für mittelständische Kfz Händler zur Verfügung.

Risiken und Vorteile für Kunden und Händler

Für Händler und Dienstleister bringt die Absatzfinanzierung ausschließlich Vorteile. Augenscheinlich günstige Finanzierungen sind ein zusätzliches Kaufargument, durch das sich der Umsatz steigern lässt.

Werden neben dem Kauf einer bestimmten Ware oder eines bestimmten Gegenstandes, zum Beispiel eines Kfzs, auch Dienstleistungen wie Wartung und Service angeboten, entsteht für den Händler durch Kundenbindung ein zusätzlicher Vorteil.

Während Dienstleister und Gewerbetreibende von den auf eine bestimmte Branche zugeschnittenen Bankangeboten zur Absatzfinanzierung eigentlich nur profitieren können, gibt es für Verbraucher neben wenigen Vorteilen vor allem Risiken.

Die Finanzierung beim Händler abzuschließen, das ist zunächst einmal bequem und verlockend. Die Suche nach einem Kredit zur Finanzierung des gewünschten Gegenstandes oder der gewünschten Dienstleistung erübrigt sich.

Ein Vorteil können auch die pauschalierte Bonitätsprüfung und die rasche Auszahlung der Darlehenssumme zur Finanzierung des gewünschten Gegenstandes sein.

Vor allem bei kleineren Finanzierungen entfällt häufig eine ausführliche Bonitätsprüfung. Auskünfte bei Kreditauskunfteien werden zwar immer eingeholt, aber hin und wieder nur in abgespeckter Form. Zudem werden manchmal andere Auskunfteien als die SCHUFA bemüht.

Beispiele sind Infoscore oder Bürgel. Manchmal sind oder waren die eingeschalteten Auskunfteien Unternehmensteile des Händlers oder des Dienstleisters.

Bürgel gehörte beispielsweise lange Zeit zur Allianz und zum Otto-Versand. Infoscore/Arvato ist eine Tochter der Bertelsmann Gruppe.

Meistens fällt die Kreditentscheidung unmittelbar im Zusammenhang mit dem Kauf. Creditplus beispielsweise verlangt bei Krediten bis zu einem Betrag in Höhe von 4.000 Euro nur einen Identitätsnachweis (Personalausweis) und eine Kreditkarte des Kunden.

Ausgenommen von diesem vereinfachten Verfahren sind allerdings Pkw-Finanzierungen der Creditplus Bank.

Das größte Risiko für Verbraucher besteht darin, einen überteuerten Kredit abzuschließen. Überteuert kann das Darlehen unter vier Gesichtspunkten sein.

  • Die effektiven Jahreszinsen können höher sein als solche, die der Kunde unter Berücksichtigung seiner Bonität bei unabhängigen Banken hätte finden können.
  • Die angeblich besonders günstige Finanzierung täuscht darüber hinweg, dass der Kaufgegenstand oder die Dienstleistung im Vergleich zur Konkurrenz zu teuer ist. Auch die Möglichkeit Rabatte auszuhandeln, entfällt oft.
  • Der Kunde lässt sich auf zu lange Laufzeiten ein, um den Kaufgegenstand finanzieren zu können. Dadurch erhöhen sich die Kreditkosten.
  • Der Kunde schließt zusammen mit dem Kredit angebotene, überteuerte Nebenleistungen ab. Dazu zählen Kreditkarten und vor allem auch die beliebten Restschuldversicherungen.

Null Prozent Finanzierungen sind ein Sonderfall der Absatzfinanzierung. Informationen zu den Vorteilen und Risiken für Verbraucher finden Sie in einem gesonderten Artikel.

Absatzfinanzierungen sind für Verbraucher keineswegs per se schlecht. Aber sie sollten niemals übereilt abgeschlossen werden.

Tipps zur Absatzfinanzierung

Um die Qualität einer Absatzfinanzierung beurteilen zu können, ist ein doppelter Vergleich empfehlenswert.

  1. Vergleichen Sie zunächst die Preise für den gewünschten Kaufgegenstand oder die gewünschte Dienstleistung.
  2. Vergleichen Sie dann die Konditionen der angebotenen Absatzfinanzierung.

Bitten Sie die Händler, Ihnen die Gesamtkosten für die Finanzierung des gewünschten Gegenstandes mitzuteilen.

Holen Sie jetzt ein externes Kreditangebot ein. Dazu ist die Nutzung eines Vergleichsrechners empfehlenswert.

Nun können Sie feststellen, welche Finanzierung die günstigste ist: eine der Absatzfinanzierungen vom Händler oder ein normaler Ratenkredit bei einer Bank.

Auf diese Weise können Sie herausfinden, wo sie das günstigste Angebot für Ihren gewünschten Kaufgegenstand finden und wie sie ihn am besten finanzieren können.