Wie kann ich meine Bonität verbessern?

Vor jeder Darlehensvergabe prüfen Banken beide Komponenten der Kreditwürdigkeit: die Leistungsfähigkeit und die Zuverlässigkeit ihres Kunden.

Leistungsfähigkeit bedeutet das Vorhandensein ausreichenden Einkommens und Vermögens, so dass die ordnungsgemäße Rückzahlung des gewünschten Darlehens sichergestellt ist.

Sie wird anhand von Angaben in der Kreditanfrage und den beigefügten Unterlagen von der Bank selbst geprüft.

Diese Prüfung umfasst nicht nur die Einkommensverhältnisse im engeren Sinn, sondern darüber hinaus Faktoren, die sich mittelbar auf die materiellen Möglichkeiten des Kreditnehmers auswirken können.

Dazu gehören unter anderem der Personenstand, die Anzahl der Kinder, mögliche Unterhaltsverpflichtungen, das Alter des Antragstellers, sein Berufsstand und sein Wohnumfeld.

Die Zuverlässigkeit wird durch Auskünfte bei Wirtschaftsauskunfteien festgestellt. Die Bank versucht festzustellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ihr Kunde den Kreditvertrag ordnungsgemäß erfüllt.

Negative Eintragungen über Unregelmäßigkeiten bei einer Vertragserfüllung in der Vergangenheit bedeuten sehr oft das Aus für jeden Kreditwunsch.

Ist die Datei der Wirtschaftsauskunft insoweit sauber, kommt es auf den Scorewert an, deren Berechnung jede Auskunftei so weit wie möglich als Betriebsgeheimnis behandelt.

Wie kann man Bonität und Score verbessern: Tipps

  1. Holen Sie rechtzeitig vor jeder Kreditaufnahme, am besten einmal jährlich, die ihnen nach dem Gesetz kostenlos zu gewährende Selbstauskunft ein. Das Antragsformular für die kostenfreie Datenübersicht nach Paragraph 34 Bundesdatenschutzgesetz haben die Auskunfteien auf ihren Webseiten schön versteckt. Klicken Sie hier, um ihre Bonität kostenlos online durch eine Eigenauskunft prüfen zu lassen: SCHUFA (die wichtigste Auskunftei), Arvato Infoscore, Bürgel, Deltavista und Creditreform.
  2. Berichtigen Sie jeden Fehler in der Datei. Achten Sie darauf, dass negative Eintragungen nach Erledigung gelöscht wurden und Löschungsfristen eingehalten werden. Positive Eintragungen wie ordnungsgemäße bediente Darlehen dürfen nicht fehlen. Persönliche Daten und Anschriften müssen vollständig sein.
  3. Versuchen Sie, negative Eintragungen zu bereinigen und gegebenenfalls löschen zu lassen. Bezahlen Sie etwa einen offenen aber noch nicht titulierten Rechnungsbetrag unter 1.000 €, muss ein SCHUFA Eintrag gelöscht werden.
  4. Versuchen Sie, die Ratschläge zur Verbesserung des Basisscores unter Kapitel 2 umzusetzen.
  5. Halten Sie ihre Verbindlichkeiten übersichtlich. Ein Darlehen macht einen besseren Eindruck als mehrere Kredite. Schulden Sie gegebenenfalls um.
  6. Vermeiden Sie Ratenkäufe oder Händlerkredite mit Null Zinsen. Beide Finanzierungsinstrumente werden wie normale Darlehen eingetragen.
  7. Vergleichen Sie Kreditkonditionen vor jeder Kreditaufnahme, aber sorgen Sie dafür, dass ihre Kreditanfragen als Konditionenanfragen und keinesfalls als Kreditanträge an die SCHUFA oder andere Auskunfteien weitergegeben werden.
  8. Der Kreditrahmen Ihres Dispositionskredits sollte so hoch wie möglich sein, doch nutzen Sie den Dispo so wenig wie möglich, am besten überhaupt nicht. Räumt die Bank Ihnen einen hohen Überziehungskredit ein, den sie jedoch so gut wie nicht nutzen, ist dies ein positives Bonitätsmerkmal.
  9. Geben Sie in einer Kreditanfrage wirklich alle Einkünfte an, nicht nur Ihren regulären Monatslohn. Zusätzliche Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung oder Sonderleistungen wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Leistungszulagen und Provisionen können die Kreditwürdigkeitsprüfung der Bank positiv beeinflussen.

Besondere Ratschläge zur Verbesserung des Basisscores

Es klingt komisch, aber sorgen Sie dafür, dass die Auskunfteien Daten über Sie speichern können. Natürlich müssen es positive Daten sein.

Überhaupt keine Daten bei Wirtschaftsauskunfteien zu haben, führt zu negativen Scorewerten.

Der einfachste Weg dahin ist die Eröffnung eines Girokontos. Junge Verbraucher sollten dies so früh wie möglich tun.

Bereinigen Sie die von Ihnen in Anspruch genommenen Finanzprodukte. Kündigen Sie Kreditkarten, die sie nicht unbedingt benötigen. Gleiches gilt für Girokonten.

Wechseln Sie die Finanzdienstleister (Banken, Kreditkartenherausgeber) möglichst selten. Ein allzu häufiger Wechsel des Girokontos soll sich angeblich negativ auf den Basisscore auswirken.

Vermeiden Sie revolvierende Kreditkarten, bei denen Teilzahlungen auf den Sollsaldo geleistet werden dürfen. Teilzahlungen sollen den Scorewert negativ beeinflussen.

Bezahlen Sie alle Rechnungen und Kreditverpflichtungen pünktlich. Vermeiden Sie in jedem Fall mehrfache Mahnungen.

Nach der zweiten Mahnung kann der Gläubiger den Verzug an die SCHUFA melden, wenn seit der ersten Mahnung 4 Wochen vergangen sind.

Manchmal liest man im Internet, dass sich Fahrzeugleasing positiv auf den Score auswirken sollen, weil der Abschluss des Leasingvertrages auf eine positive Bonitätsbewertung durch den Leasinggeber hindeutet.

Score-Ermittlung, das dunkle Geheimnis der Auskunfteien

Ob sich alle diese Ratschläge und wie genau sie sich auf die verschiedenen Scorewerte auswirken, kann nur vermutet nicht aber sicher bestätigt werden.

Die Ermittlung der einzelnen Scores und welche Daten mit welcher Gewichtung dabei berücksichtigt werden, wird von den Auskunfteien weitgehend geheim gehalten.

Die SCHUFA beispielsweise findet sich besonders transparent. Verbraucherschützer hingegen sehen das anders.

Sie beklagen mangelnde Transparenz. Die Rechtsprechung hat den Auskunfteien aber Recht gegeben.

Einzige Voraussetzung ist, dass die in die Ermittlung der verschiedenen Scores einfließenden Fakten für die Bonität, also für die Zuverlässigkeit der Verbraucher, relevant sein müssen.

Welche Daten fließen in den Scorewert ein?

Auskunfteien können natürlich nur Daten bei der Ermittlung ihrer Scorewerte berücksichtigen, die sie auch tatsächlich haben.

Zunächst werden persönliche Daten gespeichert: Name, Vorname, Geburtsdatum, Geschlecht, Geburtsort, Geburtsname, früherer Anschriften, aktuelle Anschrift. Die Aufstellung der Anschriften ermöglicht Rückschlüsse auf das Umzugsverhalten.

Geschäftsabschlüsse nach Gegenstand und Vertragsbedingungen: Kreditverträge, Leasingverträge, Kreditkarten, Girokonten, Telekommunikationskonten, Kundenkonten bei Handel und Versandhandel.

Nicht vertragsgemäßes Zahlungsverhalten: Forderungsausfälle, Mahnungen, titulierte Forderungen, Erledigung der Forderungen. Missbrauchstatbestände bei Konten und Kreditkarten nach Sperrung.

Eintragungen in öffentliche Verzeichnisse: eidesstattliche Versicherung, Haftbefehl, Insolvenzverfahren, Abweisung oder Einstellung von Insolvenzverfahren mangels Masse.

Keine Angaben gibt es zu den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Verbraucher.

Was bedeutet Scoring

Scoring ist ein Prognoseverfahren, das auf statistischen Erhebungen beruht.

Verbraucher werden anhand von erhobenen Daten in Prognosemodelle eingeteilt, und dann wird ein bestimmter Verbraucher einem bestimmten Modell zugeordnet. Beispiel (vereinfacht, nicht praxisrelevant):

Die Auskunftei hat anhand von Statistiken ermittelt, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten 10 % beträgt, wenn der Kreditnehmer männlich und über 50 Jahre alt ist, in einer Großstadt wohnt und mehr als eine Bankverbindung hat.

Erfüllt ein bestimmter Kreditnehmer diese Voraussetzungen, erhält er den Scorewert der für die abstrakte Verbrauchergruppe ermittelt wurde.

Ohne dass auf konkrete persönliche Verhältnisse abgestellt wird, geht die Auskunftei davon aus, dass die Kreditausfallwahrscheinlichkeit 10 % beträgt.

Verschiedene Auskunfteien ermitteln unterschiedliche Scorewerte nach unterschiedlichen Methoden.

Beispielsweise hat sich Infoscore auf die Bewertung von Risiken bei Massengeschäften wie Warenversendung ohne Vorkasse gegen Rechnung oder Händlerkredite spezialisiert.

In diesen speziellen Score fließen in erster Linie personenbezogene Daten und Anschriftendaten ein (Geoscoring).

SCHUFA Basisscore und Bankenscore

Die SCHUFA als für den Verbraucher wichtigste Auskunftei ermittelt unterschiedliche Scorewerte.

Neben dem Basisscore gibt es noch verschiedene Branchenscores. Denn die SCHUFA geht davon aus, dass sich Verbrauchergruppen je nach der Art der Verpflichtungen unterschiedlich verhalten.

So wird beispielsweise ein wichtiger Baukredit eher ordnungsgemäß bedient werden als ein Handyvertrag.

Die Tabelle für den SCHUFA Basisscore:

ScoreAusfallwahrscheinlichkeit
Höher als 97,5 %Sehr geringes Risiko
95 % - 97,5 %Geringes bis überschaubares Risiko
90 % - 95 %Zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko
80 % - 90 %Deutlich erhöhtes bis hohes Risiko
50 % - 80 %Sehr hohes Risiko
Unter 50 %Sehr kritisches Risiko

Der Branchenscore für Banken

Branchenscore für Banken, wenn keine offenen Negativmerkmale vorliegen

 

RatingstufePunktzahlRatingquote
A9.863 – 9.9990,80 %
B9.772 – 9.8621,64 %
C9.709 – 9.7712,47 %
D9.623 – 9.7083,10 %
E9.495 – 9.6224,38 %
F9.282 – 9.4946,21 %
G8.774 – 9.2819,50 %
H8.006 – 8.77316,74 %
I7.187 – 8.00525,97 %
K6.391 – 7.18632,56 %
L4.928 – 6.39041,77 %
M1 –  4.92760,45 %

 

Branchenscore für Banken, wenn offene Negativmerkmale vorliegen

 

RatingstufePunktzahlRisikoquote
N4.112 – 9.99948,47 %
O1.107 – 4.11177,57 %
P1 – 1.10696,08 %

 

Die Scorewerte geben den Stand von Oktober 2017 wieder.

Der Bankenscore wird im Rahmen der Kreditwürdigkeitsprüfung vor der Kreditvergabe abgerufen.

Für viele Banken liegt die Grenzbonität bei der Ratingstufe D, manchmal wird noch ein Kredit bei der Ratingstufe H vergeben.