Wichtige Darlehensarten und ihre Unterschiede

Darlehen und Kredite im Besonderen werden nach unterschiedlichen Kriterien eingeteilt.

Man kann Darlehen danach einteilen, wer Kreditgeber ist oder an wen der Kreditgeber das Darlehen vergibt.

Man kann Kredite, auch Gelddarlehen genannt, nach Verwendungszwecken kategorisieren oder nach der Art ihrer Beantragung.

Hier sollen die Darlehen danach eingeteilt werden, welche Regelungen für Tilgung und Zinsen gelten und in welchem Verhältnis diese beiden Faktoren zueinanderstehen.

Regelungen über Zinsen und Tilgung haben unmittelbare Auswirkungen auf die Geldbörse des Kreditnehmers und/oder auf seine monatlichen Belastungen.

Annuitätdendarlehen

Zwei wesentliche Merkmale zeichnen ein Annuitätendarlehen aus: eine gleichbleibende prozentuale Zinshöhe vorausgesetzt, bleibt die Höhe der zu zahlenden Raten immer gleich. Aber innerhalb dieser Rate verändert sich etwas.

Jeder Rate besteht aus einem Tilgungsanteil und einem Zinsanteil. Mit jeder gezahlten Rate verringert sich die Restschuld.

Dadurch wird der Zinsanteil in der Rate fortlaufend kleiner. Im Laufe der Zeit verschiebt sich demnach der Zinsanteil zu Gunsten des Tilgungsanteils.

Annuitätendarlehen sind im Privatkundengeschäft dominierend. Das gilt vor allem im Rahmen von Immobilienfinanzierungen.

Vorteile: Annuitätendarlehens sind kalkulierbar. Die Rate steht von vornherein fest. Rein rechnerisch handelt es sich nicht um die für den Kreditnehmer günstigste Darlehensart.

Aber immerhin verringert sich während der Laufzeit die Restschuld kontinuierlich. Das hat einen positiven Effekt auf die gesamten Kreditkosten.

Nachteile: Sie gibt es vor allem bei langlaufenden Darlehen, zum Beispiel bei Immobilienkrediten.

In den meisten Fällen ist das Darlehen bei Ablauf der Zinsbindung nicht vollständig getilgt. Die Anschlussfinanzierung kann teurer werden.

Tilgungsdarlehen

Beim Tilgungsdarlehen wird eine über eine bestimmte Laufzeit gleichbleibende Tilgungsleistung vereinbart.

Jeder Rate besteht aus der linearen Tilgungsleistung und den aus der Restschuld berechneten Zinsen.

Die Folge sind Raten in unterschiedlicher Höhe. Die erste Rate ist die größte Rate. Danach fallen die Raten kontinuierlich.

Denn durch die gleich bleibenden Tilgungsleistungen verringern sich die Restschulden. Und damit fällt die Zinsbelastung.

Tilgungsdarlehen werden regelmäßig im Geschäftskundenverkehr außerhalb von Immobilienfinanzierungen vergeben.

Im Privatkundengeschäft bieten Banken diese Darlehensvariante oft überhaupt nicht oder nur zögerlich an.

Tilgungsdarlehen werden häufig auch als Abzahlungsdarlehen oder Ratendarlehen bezeichnet.

Vorteile: Während beim Annuitätendarlehen die Restschuldverringerung gegen Laufzeitende am höchsten ist, tritt beim Tilgungsdarlehen mit fest vereinbarten Rückzahlungsraten im Vergleich zum Annuitätdendarlehen ein schnellerer Darlehensabtrag ein.

Wirtschaftlich ist deshalb diese Darlehensart für den Kreditnehmer am günstigsten.

Nachteile: Die anfängliche Belastung ist besonders hoch. Besonders bei Darlehen über große Summen sind die Anfangsraten für den Kreditnehmer oft nicht darstellbar.

Fälligkeitsdarlehen oder endfälliges Darlehen

Fälligkeitsdarlehen sind das Gegenstück zum Tilgungsdarlehen. Während der Laufzeit entfallen Tilgungsleistungen.

Geschuldet werden nur laufende Zinsleistungen. Bei Vertragsablauf ist der gesamte Darlehensbetrag mit einer Zahlung zurückzuführen.

Gegebenenfalls wird er über ein neues Darlehen finanziert.

In der Praxis sind jedoch Fälligkeitsdarlehen immer mit einem Tilgungsersatz, einem sogenannten Surrogat, verbunden.

Darlehensgeber verlassen sich nicht darauf, dass ihr Kunde den Kredit nach Vertragsbeendigung irgendwie zurückzahlt.

Als Tilgungsersatz kommen alle werthaltigen Forderungen oder Geldanlagen in Betracht. Dazu gehören Sparguthaben, Wertpapierbestände, Lebensversicherungen oder Bausparverträge.

In der Praxis sind Lebensversicherungen und Bausparverträge häufig. Entweder werden Forderungen abgetreten oder es wird, wie bei Wertpapieren, ein Pfandrecht vereinbart.

Das Surrogat muss so ausgelegt sein, dass damit der gesamte Kreditbetrag zum festgelegten Zeitpunkt zurückgezahlt werden kann.

Vorteile: Die eigentlichen laufenden Belastungen durch das Darlehen sind niedriger als bei anderen Darlehensarten, da die Tilgung wegfällt.

Dieser Vorteil wird allerdings zu einem gewissen Teil dadurch verwässert, dass ein Surrogat angespart werden muss, sofern es nicht schon bei Vertragsschluss vorhanden ist. Dennoch sind aber die laufenden Raten in der Regel geringer.

Ein echter Vorteil besteht im Fall von Vermietung und Verpachtung. Denn dann können die Schuldzinsen steuerlich als Kosten abgezogen werden.

Nachteile: Die Gesamtkosten des endfälligen Darlehens sind höher als bei anderen Kreditarten.

Denn während der gesamten Laufzeit muss die gesamte Summe verzinst werden. Eine stufenweise Tilgung findet nicht statt.

Das Vorhandensein des zur Kreditablösung erforderlichen Betrages muss sicher sein.

Das führt in der Regel zum Übersparen des Surrogats und damit zu unnötigen Kosten.

Beispiel:

Wird eine Kapitallebensversicherung als Tilgungsersatz angespart, kann nur die Garantieverzinsung berücksichtigt werden, nicht jedoch die anderen unsicheren Komponenten der Ablaufleistung wie Überschussbeteiligungen.

Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Erträge aus dem Surrogat zur Kreditablösung nicht ausreichen.

Laufzeitzinsdarlehen

Laufzeitzinsdarlehen sind Ratenkredite, bei denen der gesamte Zinsbetrag dem Darlehensbetrag von vornherein hinzugerechnet wird.

Beispiel: Ein Kredit über 100.000 € wird mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Zinssatz von 5 % vergeben. Die Zinsbelastung beträgt pro Jahr 5.000 €, für 10 Jahre also 50.000 €. Die Bruttobelastung ist somit 150.000 €.

Der Kredit soll in Monatsraten zurückgezahlt werden. Geschuldet werden also 120 Monatsraten. Die Bruttobelastung wird jetzt durch die Monatsraten dividiert – 150.000 : 120 = 1.250 €. Der Kreditnehmer hat also Raten in Höhe von monatlich 1250 € zu zahlen.

Der Begriff Laufzeitzinsdarlehen umschreibt also eine bei der Kreditgewährung mögliche Technik.

Die Zinsen werden vom Nettokreditbetrag berechnet und zu Beginn der Kreditlaufzeit kapitalisiert. Dadurch erhöht sich die reale Darlehensverpflichtung des Kreditnehmers.

Diese Technik wird vor allem bei Ratenkrediten über geringere Beträge angewandt. Laufzeitzinsdarlehen sind für Banken einfach zu bearbeiten und für Kreditnehmer übersichtlich.

Weitere Darlehensarten

Neben den oben aufgeführten Kreditarten gibt es noch weitere Darlehensformen mit Auswirkungen auf Zinsen und Tilgung. Zwei Beispiele sind:

Fremdwährungsdarlehen

Kreditnehmer schließen das Darlehen in fremder Währung ab, aber ausgezahlt wird der Gegenwert der Darlehenssumme in Euro.

Zinsen werden meistens nur für kurze Zeit festgeschrieben, bis zu 12 Monaten, und sie orientieren sich an den Geldmarktzinsen im internationalen Bankenhandel.

Zinsen und Tilgung werden in der ausländischen Währung geleistet. Jede Rate wird zum gültigen Devisenkurs in Euro umgerechnet.

Vorteile: Liegen die Zinsen bei der Fremdwährung unter denen in der Eurozone, ist der Kredit für den Kreditnehmer tendenziell billiger.

Steigt der Kurs des Euro während der Laufzeit gegenüber der Fremdwährung, spart der Kreditnehmer bei den Tilgungsleistungen.

Nachteile: Fremdwährungsdarlehen sind einerseits Währungsspekulationen und andererseits Spekulationen auf die Leitzinsentwicklung in unterschiedlichen Währungsräumen.

Sinkt der Euro gegenüber der Fremdwährung, sind die Tilgungsleistungen für den Kreditnehmer teurer. Nachteile ergeben sich auch, wenn sich das Verhältnis der Leitzinsen zueinander verändert.

Variable Darlehen mit kurzen Zinsfestschreibungen stellen immer ein Risiko dar.

Forwarddarlehen

Mit einem Forwarddarlehen sichert sich der Kreditnehmer für einen bestimmten Zeitraum, beispielsweise für 5 Jahre, die gegenwärtigen Zinsen.

Im Privatkundengeschäft werden Forwarddarlehen oft bei Anschlussfinanzierungen angeboten.

Beispiel: Die 5-jährige Zinsbindungsfrist eines Immobiliendarlehens läuft in einem Jahr aus. Gegenwärtig sind die Zinsen extrem niedrig.

Mit einem Forwarddarlehen möchte der Kreditnehmer sich die günstigen Konditionen jetzt schon sichern.

Ohne Gegenleistung wird ein Forwarddarlehen jedoch nicht vergeben. Die Kosten können bis zu ein Prozent betragen und werden häufig anteilig auf die Zinssätze aufgeschlagen.

Vorteile: Günstige Kreditkonditionen können für zukünftige Darlehen gesichert werden, wenn auch, wegen der Zusatzkosten, nicht in vollem Umfang. Der Kreditnehmer kauft Planungssicherheit.

Nachteile: Forwarddarlehen beinhalten eine Zinswette. Sie kann aufgehen oder nicht. Fallen die Zinsen entgegen der ursprünglichen Annahme, hat der Kreditnehmer die Zinswette verloren.