Dispositionskredit: Liquidität hat ihren Preis

Banken zeigen sich bei der Einräumung von Dispositionskrediten ungewöhnlich großzügig. Ein Verfügungsrahmen wird recht schnell nach Einrichtung eines neuen Girokontos gewährt.

Meistens geschieht das nach Gutschrift des ersten regelmäßigen Geldeingangs, hin und wieder sogar als vorläufiger Dispositionskredit unmittelbar nach Kontoeinrichtung.

Dispositionskredite sind für die Banken ein gutes Geschäft fast ohne Risiko. Banken können ohne weiteres auf die Geldeingänge oder andere, bei der Bank deponierte Werte des Kunden zurückgreifen. Gleichzeitig wird an den hohen Zinsen gut verdient. 

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Tipps

  1. Direktbanken bieten im Durchschnitt bessere Zinskonditionen für Dispokredite als Filialbanken. Allerdings sind Girokonten bei Internetbanken nicht jedermanns Sache. Achten Sie nicht nur auf die Zinshöhe, sondern auch auf Kontogebühren und passende Nebenleistungen wie zum Beispiel eine ausreichende Bargeldversorgung.
  2. Vergleichen Sie die Konten verschiedener Banken, besonders wenn es Ihnen auf günstige Dispokredite und geringe Kontoführungsgebühren geht.
  3. Verschaffen Sie sich mithilfe eines Rechners einen realistischen Überblick über die Zinsbelastung, die bei einer längeren Ausschöpfung des Kreditlimits entstehen kann.
  4. Nutzen Sie Dispokredite am besten nur kurzfristig. Schöpfen Sie nach Möglichkeit den Kreditrahmen niemals vollständig aus.
  5. Zur Überbrückung kurzfristiger Engpässe in der Liquidität kann sich anstelle des Dispokredits die Nutzung der Kreditkarte anbieten. Bis zum Ende einer Abrechnungsperiode fallen in der Regel keine Soll-Zinsen an.
  6. Schulden Sie einen „eingefrorenen“ Dispositionskredit (der Kreditrahmen wird längere Zeit ständig ausgeschöpft) in einen Ratenkredit oder in einen Abrufkredit um. Das dauerhafte Ausschöpfen des Limits wirkt sich negativ auf den Kreditscore aus. Die Umschuldung spart zudem Kreditkosten.
  7. Überziehen Sie nicht eigenmächtig den eingeräumten Dispositionsrahmen. Ihre Bank mag das eine Weile dulden. Viele Banken verlangen aber für eine geduldete Überziehung extra hohe Zinsen. Eine Überziehung ist aber nicht gut für die Bonität. Wird kurzfristig die Erhöhung des Kreditrahmens benötigt, ist es besser, mit der Bank eine einvernehmliche Lösung zu suchen.
  8. Banken lassen bisweilen über eine vorübergehende Ausweitung des Dispo Rahmens mit sich reden. Auch die Höhe des Zinssatzes ist manchmal verhandelbar.
  9. Lassen Sie es vor allem niemals zur Kündigung des Dispokredits oder gar des Kontos kommen. Bleibt ein Sollsaldo stehen, gibt es definitiv einen negativen SCHUFA Eintrag.
  10. Sie können mit Ihrer Bank die Begrenzung oder den Ausschluss der Überziehung vereinbaren, wenn sie sich dadurch sicherer fühlen. Verbraucherschützer empfehlen aber, es bei einem Kreditrahmen in Höhe von einigen 100 Euro zu belassen. Auf diese Weise werden versehentliche Zahlungsausfälle bei laufenden Rechnungen (Energie, Telefon) vermieden.

Dispokredit: was ist das?

Der Dispositionskredit ist ein von der Bank eingeräumte dauerhafter Kontokorrentkredit. Es handelt sich um ein Darlehen nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches mit der besonderen Regelung in Paragraf 504 BGB.

Zusätzliche Sicherheiten werden regelmäßig vor der Gewährung des Dispos nicht verlangt. Deswegen spricht man auch von einem Blankokredit.

Die Bank räumt ihren Kunden ein bestimmtes Kreditlimit ein, die diese beliebig nutzen können. Sie können den Kredit bis zur Höhe des Limits in Anspruch nehmen und auch zurückzahlen, wie es ihnen beliebt.

Stellt die Bank einen Dispositionskredit zur Verfügung, muss sie ihren Kunden auf einem „dauerhaften Datenträger“ mitteilen:

  • Das Kreditlimit.
  • Den effektiven Jahreszins zum Zeitpunkt der Mitteilung.
  • Die Regelungen über die Beendigung des Kreditvertrages.
  • Die Bedingungen für die Änderung des Zinssatzes.

Eingeräumt wird ein Dispositionskredit regelmäßig durch eine einseitige Erklärung der Bank entweder schriftlich in einem gesonderten Schreiben oder durch eine entsprechende Information auf dem Kontoauszug.

Banken können zudem den Kreditrahmen ändern und ihn an die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kunden anpassen. Beispielsweise kann der Kreditrahmen nach einer gewissen Zeit erhöht werden.

Die Höhe des Zinssatzes ist variabel und kann entsprechend den Vereinbarungen an die jeweils üblichen Marktzinsen angepasst werden.

Die Zinsen werden regelmäßig als effektive Jahreszinsen angegeben sie werden aber taggenau berechnet und lediglich auf den jeweils in Anspruch genommenen Kreditbetrag erhoben.

Sollzinsen werden normalerweise in Dreimonatsintervallen abgerechnet. Dispokredite unterliegen in der Regel Paragraf 504 BGB.

Dann sind kürzere Abrechnungsintervalle als 3 Monate für den Sollzins nicht erlaubt. Außerdem werden neben den Sollzinsen keine weiteren laufenden Kosten vereinbart.

Geduldete Überziehung – Überziehungskredit

Vom Dispositionskredit zu unterscheiden ist die geduldete Überziehung, manchmal auch Überziehungskredit genannt.

Hierbei handelt es sich um die stillschweigende Erlaubnis die gewährte Kreditlinie des Dispokredits für eine gewisse Zeit zu überschreiten.

Im Normalfall gibt es im Vorhinein keine Vereinbarung darüber, inwieweit und für wie lange die Überschreitung der Kreditlinie von der Bank akzeptiert wird.

Deswegen müssen sich Bankkunden unbedingt darüber informieren, ob und in welcher Höhe die Bank einer weiteren Überziehung zustimmen wird.

Vor noch nicht allzulanger Zeit waren geduldete Überziehungen mit oftmals deutlich höheren Zinsen als beim Dispokredit verbunden.

Das hat sich unterdessen weitgehend geändert. Viele Banken berechnen jetzt für Überziehungskredite keine höheren Zinsen mehr.

Banken dürfen keine Zusatzkosten in Rechnung stellen, wenn sie die Überziehung dulden. Das jedenfalls ergibt die Rechtsprechung einiger Gerichte.

Danach sind Gebühren für die Bearbeitung einer Überweisung von einem überzogenen Girokonto unzulässig. Gleiches gilt für die Geltendmachung pauschaler Mindestkosten, wenn für die geduldete Überziehung keine Zusatzzinsen verlangt werden.

Voraussetzungen und Höhe

Erste Voraussetzung ist eine ausreichende Bonität, die regelmäßig durch eine SCHUFA Auskunft ermittelt wird.

Liegen negative SCHUFA Einträge vor, ist die Einräumung einer Kreditlinie nicht in jedem Fall ausgeschlossen, aber nur wenige Banken werden dazu bereit sein. Gleiches gilt im Rahmen von privaten Insolvenzverfahren oder während der Wohlverhaltensphase.

Zweite Voraussetzung sind regelmäßige Zahlungseingänge in einer bestimmten Höhe.

Dabei ist gleichgültig, ob es sich um Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, Gewerbebetrieb bzw. unselbstständiger Arbeit oder auch nur um Zuwendungen Dritter beispielsweise aufgrund von Unterhaltspflichten handelt.

Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger werden bei Einräumung eines neuen Dispositionskredites Probleme haben. Eher ist es möglich, dass ein bereits bewilligter Kreditrahmen bestehen bleibt oder reduziert wird.

Schließlich wird der Kontoinhaber volljährig sein müssen, damit ihm ein Kreditlimit eingeräumt wird.

Viele Banken und Sparkassen stellen besondere Girokonten für Studenten und Azubis zur Verfügung. Manche Kontoangebote umfassen auch Dispokredite. Bei den Sparkassen sind die Konditionen regional unterschiedlich.

Die Targobank bietet Studenten und Schülern ein kostenloses Girokonto mit einem Dispo in Höhe von 1.000 Euro. Das Girokonto der DKB mit einem gleich hohen Dispo kann ebenfalls von Studenten eingerichtet werden.

Häufig wird ein Dispositionskredit erst einige Zeit nach Kontoeinrichtung gewährt, wenn Geldeingänge verzeichnet wurden.

Einige Banken vergeben jedoch unmittelbar nach Kontoeinrichtung Dispokredite mit einem geringen vorläufigen Kreditlimit. Ein Beispiel ist die DKB, die ohne Zahlungseingang einen Dispo in Höhe von bis zu 1.000 Euro gewährt.

Die Höhe des Kreditrahmens wird sich nach den regelmäßigen Geldeingängen richten. Im Regelfall beträgt die Höhe das Zwei- bis Fünffache der regelmäßigen Geldeingänge. Banken können die Kreditlinie durch einfache Mitteilung verändern.

Kontoinhaber können ihrerseits eine Erhöhung des Dispositionskredits beantragen. Dazu müssen sie sich mit ihrer Bank persönlich, per Telefon oder online beim Internetbanking in Verbindung setzen.

Kündigung

Das Kündigungsrecht der Bank ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Banken und Sparkassen geregelt. Grundsätzlich kann danach ein Dispokredit jederzeit mit einer 30-tägigen Kündigungsfrist gekündigt werden.

In Ausnahmefällen steht den Banken ein außerordentliches Kündigungsrecht zur Verfügung.

Die wichtigsten Ausnahmefälle sind Einleitung von Vollstreckungsmaßnahmen und eine dauerhafte wesentliche Verschlechterung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse, wodurch die Rückführung offener Beträge gefährdet werden kann.

Häufiger Anlass einer Kündigung oder einer Reduzierung des Kreditrahmens sind die deutliche Verringerung oder der Wegfall der regelmäßigen Geldeingänge oder die permanente Überziehung des eingeräumten Kreditlimits.

Gleiches gilt, wenn die Bank durch eine Nachmeldung Kenntnis von einem negativen SCHUFA Eintrag erhält.

Wird gekündigt, muss der in Anspruch genommene Kreditbetrag sofort zurückgezahlt werden. Negativsalden führen zu einem entsprechenden SCHUFA Eintrag, der 3 Jahre bestehen bleibt.

Besonders nachteilig wirkt sich die gleichzeitige Kontokündigung aus, wenn der in Anspruch genommene Dispo nicht gezahlt werden kann.

Kunden sollten es niemals zu einer Kündigung weder des Dispokredits noch des Kontos kommen lassen.

Wichtig ist eine rechtzeitige Kontaktaufnahme mit der Bank, um gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Beispielsweise können Rückzahlungsvereinbarung getroffen werden oder es kommt eine Umschuldung in Betracht.

Nicht selten ist Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit die Ursache dafür, dass keine Zahlungen mehr geleistet werden können.

In solchen Fällen befindet sich der Bankkunde bereits in der Schuldenfalle. Er hat nichts mehr, was er der Bank anbieten könnte. Fachliche Hilfe etwa von einer Schuldnerberatungsstelle ist dann erforderlich.

Sozialleistungen – Arbeitslosengeld II

Banken können Sozialleistungen nicht ohne weiteres mit Sollsalden verrechnen. Vielmehr müssen sie Arbeitslosengeld II und andere Leistungen bis zu 2 Wochen nach der Gutschrift an den Kontoinhaber auszahlen.

Diese Regelung erlangt beispielsweise dann Bedeutung, wenn der Dispositionskredit plötzlich wegen des Bezugs von Sozialleistungen anstelle eines geregelten Arbeitseinkommens gekündigt und der in Anspruch genommene Kreditbetrag fällig gestellt wird.

Pfändung von Dispokrediten?

Die nicht in Anspruch genommenen Teile eines eingeräumten Dispositionskredits sind grundsätzlich pfändbar.

Die Pfändung wird aber erst dann wirksam, wenn der Kontoinhaber darüber etwa durch Barabhebung oder Überweisung verfügt. Geschieht das nicht, bleibt die Pfändung insoweit wirkungslos.

Dagegen ist eine Pfändung von Beträgen aus geduldeter Kontoüberziehung ausgeschlossen, weil dem Kontoinhaber kein Anspruch auf die Duldung zusteht, der gepfändet werden könnte.

P-Konto

Der besondere Pfändungsschutz des P-Kontos schließt die Einräumung eines Dispositionskredites im Prinzip nicht aus.

Allerdings ist es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass sich eine Bank auf die Gewährung eines Kreditrahmens einlässt. Zudem könnte der Dispositionskredit selbst gepfändet werden. Ein Ausweg wäre die Einräumung einer geduldeten Überziehung.

Bei der Umwandlung eines Girokontos in ein P-Konto darf jedoch die gewährte Kreditlinie nicht automatisch gelöscht werden. Entsprechende Vereinbarungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind nach Auffassung des Bundesgerichtshofs unwirksam.

Informationspflicht der Banken und Alternativen

Seit dem 26. März 2016 müssen Banken Kunden, die laufend Dispokredite in Anspruch nehmen, günstigere Alternativen aufzeigen.

Diese Verpflichtung tritt ein, wenn Kunden wenigstens 6 Monate im Schnitt 75 % ihres Kreditrahmens ausgeschöpft haben.

Die Beratung kann telefonisch oder persönlich durchgeführt werden und ist schriftlich zu dokumentieren. Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Beratung zu wiederholen, wenn der Kunde nicht ausdrücklich darauf verzichtet.

Zudem müssen die Zinssätze im Internet veröffentlicht werden, um die Vergleichbarkeit unter den Banken zu vereinfachen.

Allerdings sollten Bankkunden niemals die angebotene Alternative sofort in Anspruch nehmen, sondern sich zunächst über den Kreditmarkt informieren.

Eine Umschuldung in Ratenkredite ist immer sinnvoll, wenn Dispositionskredite sehr lange ausgeschöpft werden. Doch muss die angebotene Alternative der Bank nicht die günstigsten sein. Kontoinhaber sollten vergleichen, bevor sie ein Darlehen abschließen.

Neben einer Umschuldung in Ratenkredite kommt auch eine Umfinanzierung mit Abrufkrediten in Betracht.

Rahmendarlehen sind im Grunde genauso flexibel wie Dispositionskredite. Aber die Zinskosten sind regelmäßig niedriger.

Bei den meisten Abrufkrediten müssen in regelmäßigen Abständen bestimmte Mindestbeträge zurückgeführt werden. Das ist eigentlich der einzige Unterschied zum Dispokredit.

Vorteile und Nachteile

Die hohe Flexibilität ist ein Vorteil des Dispositionskredits. Die Bank gewährt ihn regelmäßig nur kurze Zeit nach Kontoeinrichtung, sobald die ersten regelmäßigen Geldeingänge zu verzeichnen sind. Solange sich der Kontoinhaber innerhalb des Limits bewegt, kann er machen was er will.

Er kann jede Summe abrufen und jeden Betrag jederzeit zurückführen. Tilgungsregeln, etwa die monatliche Begleichung eines Mindestbetrags, gibt es nicht.

Dispositionskredite sind besonders geeignet für die kurzfristige Geldbeschaffung, um beispielsweise eine kleine Anschaffung oder einen Urlaub zu finanzieren.

Nachteilig ist, dass die Bank bei Veränderung der Einkommenssituation praktisch jederzeit kündigen kann und dann der in Anspruch genommene Teil des Dispos sofort fällig wird.

Der gravierendste Nachteil besteht jedoch in den hohen Zinsen. Was ein Dispositionskredit wirklich kostet, kann mithilfe eines entsprechenden Rechners aus dem Internet leicht festgestellt werden.

Allerdings gibt es auch Konten, deren Dispokredite nicht sehr viel teurer als andere Kreditprodukte sind. Meistens handelt es sich um Girokonten von Direktbanken.

Die DKB ist ein Beispiel. Der Zinssatz beträgt gegenwärtig (April 2016) 6,9 % und ist damit nicht viel höher als der durchschnittliche Zinssatz bei Ratenkrediten für Kunden mit mittlerer Bonität.

Wer ein neues Girokonto einrichtet und dabei besonders Wert auf günstige Dispo-Zinsen legt, kann sich im Internet leicht über die Bedingungen der einzelnen Banken informieren.

Fachzeitschriften wie Test.de vergleichen regelmäßig die Konditionen für die Gewährung von Dispositionskrediten. Der Kontenvergleich von Test.de ist gegen eine geringe Gebühr erhältlich. Der Vergleich von FMH ist kostenlos.