Einheitszinssatz tatsächlich verbraucherfreundlich?

Auf den Zinssatz kommt es an. Kreditnehmer schauen zunächst auf die Zinsangaben eines Darlehensangebotes.

Zu Recht, denn die Zinshöhe ist ein entscheidender Indikator dafür, wie günstig ein Kredit für den Verbraucher ist.

Aber welche Zinsangaben sind wirklich aussagefähig?

Es gibt Angaben darüber, ob der Zinssatz bonitätsabhängig ist oder der Ratenkredit zu einem Einheitszinssatz vergeben wird.

Diese Angabe finden Verbraucher sehr oft in einer mit einem Sternchen markierten Anmerkung irgendwo weiter unten im Kreditangebot.

Unterschieden wird zudem der Sollzins vom effektiven Zinssatz, und schließlich gibt es noch repräsentative Beispiele.

Hier wird erklärt, auf welche Zinsangaben es ankommt, und welche Ratenkredite tatsächlich verbraucherfreundlich sind:

Darlehen mit bonitätabhängigen Zinssätzen oder mit bonitätsunabhängigen Einheitszinssätzen.

Was bedeutet bonitätsabhängiger Zinssatz?

Die Zinsangebote der Bank sind nicht nur von der Kredithöhe und der Laufzeit abhängig. Sie richten sich zudem maßgeblich nach der individuellen Kreditwürdigkeit des Kunden.

Jede Bonitätsprüfung wird in zwei Stufen durchgeführt:

Zum einen durch die Einholung von SCHUFA Auskünften oder von Auskünften anderer Auskunfteien wie Creditreform.

Diese Auskünfte enthalten zwei unterschiedliche Informationen. Zunächst erfährt die Bank, ob ihr Kunde bisher alle Verbindlichkeiten ordnungsgemäß erfüllt hat oder ob negative SCHUFA Einträge vorliegen.

Liegen keine negativen SCHUFA Eintragungen vor, stellt die SCHUFA einen nach bestimmten Maßstäben errechneten Score zur Verfügung.

Mit dem Score wird die Wahrscheinlichkeit gemessen, mit der der Kreditnehmer seine Kreditverpflichtungen erfüllen wird.

Dazu wird er nach bestimmten Kriterien Personengruppen zugeordnet. Es wird also nicht die konkrete Zuverlässigkeit des Kunden gemessen, sondern die abstrakte Zuverlässigkeit der Personengruppe, in die er eingeordnet wird.

Zum anderen misst die Bank die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden durch eigene Erhebungen. Dazu gehören Informationen über den Personenstand, den Wohnort und vor allem über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse.

Die Ergebnisse beider Prüfungen werden zu einer Art Gesamtnote zusammengefasst. Wie die Bank einzelne Komponenten bewertet und wie streng die Bonitätskriterien gehandhabt werden, dass wird praktisch als Bankgeheimnis behandelt.

Die Kriterien sind von Bank zu Bank unterschiedlich.

Anhand der festgestellten Bonität schätzt die Bank also das Kreditausfallrisiko ein.

Je höher dieses Risiko ist, desto mehr ist der Ertrag der Bank infrage gestellt.

Um das Risiko zu verringern und damit den Gewinn zu sichern oder doch wenigstens Verluste auszuschließen, werden bei schlechterer Bonität höhere Zinssätze angesetzt.

Anders ausgedrückt: Kunden mit guter Bonität können mit günstigen Zinssätzen rechnen.

Mit zunehmenden Bonitätsabstrichen werden die Zinsen immer höher, so lange bis die Bonität nach Auffassung der Bank für eine Kreditvergabe überhaupt nicht mehr ausreicht.

Einheitszinssätze

Bietet die Bank bonitätsunabhängige Einheitszinssätze an, zahlen alle Kunden für einen Kredit mit gleicher Laufzeit und gleicher Kredithöhe dieselben Zinsen.

Es gibt aber eine Grenzbonität, bei deren Unterschreiten überhaupt keine Kredite mehr vergeben werden.

Ein vereinfachtes Beispiel soll dies verdeutlichen: Die Bank beurteilt die Grenzbonität allein nach den Angaben über den Bankenscore.

Nach ihren Richtlinien sollen Darlehen nur bis zu einem Scorewert von Stufe D vergeben werden, das bedeutet ein Ausfallrisiko von 3,13 %.

Alle Kunden erhalten den gleichen Zinssatz, selbst wenn sie eine Ratingstufe A haben. Kunden mit einer schlechteren Ratingstufe als D erhalten keinen Kredit.

Kredite mit Einheitszinsen werden sehr häufig nur an Kunden mit überdurchschnittlicher oder guter Bonität vergeben.

Andere Verbraucher kommen nicht in den Genuss der auf den ersten Blick günstig anmutenden Zinssätze.

Je strenger die Grenzbonität festgesetzt wird, desto besser sind die Zinssätze und je geringer ist die Chance für die Verbraucher, einen günstigen Kredit mit Einheitszinssatz zu erhalten.

Einige Banken staffeln die einheitlichen Zinssätze entweder nach Laufzeiten oder nach Kreditsummen, manchmal sogar nach beiden Kriterien.

Die Einheitszinsen sind dann unterschiedlich hoch, und man kann sie in der Regel einer Zinstabelle entnehmen.

Bonitätsabhängige oder einheitliche Zinsen: Welcher Zinssatz ist günstiger?

Häufig werden bonitätsunabhängige Einheitszinsen als besonders verbraucherfreundlich dargestellt. Auch Verbraucherzentralen sind bisweilen dieser Auffassung.

In der Tat sind Einheitszinsen in einer gewissen Weise transparent. Bei Antragstellung wissen die Kunden zwar nicht, ob sie überhaupt ein Darlehen erhalten.

Aber wird das Darlehen gewährt, wissen sie von vornherein, zu welchem Zinssatz das geschieht.

Werden Kredite mit bonitätsabhängigen Zinsen angeboten, bleibt der Kunde über die wirklichen Konditionen zunächst im Unklaren.

Erst wenn ein konkretes Kreditangebot vorliegt, weiß er, wie hoch die Zinsen sind. Deshalb erscheinen bonitätsabhängige Zinsen weniger transparent.

Solche Kredite lassen sich darüber hinaus schlecht im Vorhinein vergleichen.

Zusätzliche Intransparenz entsteht durch das Spiel mit Lockzinsen. Kreditanbieter werben mit einem Mindestzinssatz und einem Höchstzinssatz.

Häufig werden sogenannte, allerdings wertlose, Kreditrechner angeboten, mit deren Hilfe Kunden die monatlichen Raten einschätzen können. Diese Kreditrechner nutzen in der Regel immer den Mindestzinssatz.

Die Mindestzinssätze sind aber unrealistisch. Höchstens 5 % der Kunden mit der allerbesten Bonität können darauf hoffen, ein Darlehen zu den Mindestzinsen zu erhalten. Wer auf solche Eingangszinssätze hofft, wird also regelmäßig enttäuscht werden.

Einheitszinsen sind in einer anderen Weise problematisch. Das Kreditausfallrisiko ist ein Kostenfaktor, der bei der Kalkulation des richtigen Zinssatzes berücksichtigt werden muss.

Bieten Banken Darlehen zu Einheitszinsen an, nehmen sie eine Art Mischkalkulation vor. Die Folge ist, dass Kunden mit sehr guter Bonität höhere Zinsen zahlen müssen, als es angesichts ihrer Bonitätseinstufung eigentlich angemessen wäre.

Diese Kundengruppen werden also benachteiligt.

In der Regel profitieren nur die Kunden mit schlechterer Bonität, deren Kreditwürdigkeit aber noch für die Kreditvergabe ausreicht.

Häufig ist das die Kundengruppe mit der schlechtesten noch möglichen Kreditwürdigkeit.

Manche Banken nutzen den Einheitszinssatz außerdem als Lockangebot für Darlehen mit höheren, dann bonitätsabhängigen, Zinsen.

Ein Antragsteller hat zwar nicht die erforderliche Kreditwürdigkeit für den Einheitszinssatz, er erhält aber von der Bank dennoch ein Kreditangebot, allerdings mit höheren Zinsen.

Wägt man die Vorteile und Nachteile beider Zinsarten untereinander ab, halten sie sich eigentlich die Waage.

Ein echter Kreditvergleich ist eben nur anhand von konkreten Kreditangeboten möglich. Nur auf diese Weise können Kreditnehmer bei Darlehen mit Einheitszins feststellen, ob sie überhaupt eine Kreditchance haben.

Bei Darlehen mit bonitätsabhängigen Zinssätzen sind konkrete Kreditanfragen daneben noch erforderlich, um den tatsächlichen effektiven Zinssatz zu ermitteln.

Sollzinsen

Sollzinsen sind die reinen Zinsen, zu denen das Kreditinstitut bereit ist, das Darlehen zu vergeben.

Nach Paragraf 489 BGB wird zwischen gebundenen und veränderlichen Sollzinsen unterschieden. Beim gebundenen Sollzins bleibt der Zinssatz während der gesamten Laufzeit des Darlehens gleich.

Man spricht deshalb von einem Festzins.

Ein veränderlicher Sollzins liegt vor, wenn kein Festzins vereinbart wird, sondern wenn die Zinshöhe sich während der Laufzeit verändern kann, also variabel ist.

Die Angabe der Sollzinsen ist für einen Kreditvergleich irrelevant, weil in ihm nicht alle Kosten enthalten sind.

Wird nur der Sollzins zugrundegelegt, kennt der Kreditnehmer deshalb nicht die durch die Darlehensaufnahme entstehenden Gesamtbelastungen.

Effektiver Zinssatz

Der effektive Jahreszins ist das entscheidende Kriterium dafür, ob ein Darlehen günstig ist oder nicht. In ihm sind alle preisbestimmenden Faktoren enthalten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Kreditaufnahme entstehen.

Dazu gehört auch und in erster Linie der Sollzins.

Der effektive Jahreszins ist immer etwas höher als der Sollzins. Der Effektivzins ist die entscheidende Größe, wenn ein Kreditvergleich angestellt wird.

Die Kosten für Zusatzverträge beispielsweise für Kreditausfallversicherungen, sind in der Regel nicht im effektiven Jahreszins enthalten.

Schließen Kunden solche unnötigen Verträge ab, müssen Sie die Kosten zusätzlich berücksichtigen.

Eine Ausnahme gilt allerdings, wenn die Zusatzverträge vom Kreditgeber zur unabdingbaren Voraussetzung für die Kreditaufnahme gemacht werden.

Eine solche Fallgestaltung wird in der Praxis kaum vorkommen. Ist das aber ausnahmsweise der Fall, müssen die Kosten für die Zusatzverträge in den effektiven Jahreszins hineingerechnet werden.

Angaben nach Paragraf 6 der Verbraucherschutzrichtlinie (PAnkV)

Bei Kreditangeboten mit bonitätsabhängigen Zinssätzen werden immer die Mindestzinssätze und darüber hinaus meistens die Höchstzinssätze angegeben.

Irgendwo in dieser Marge wird sich das Darlehensangebot der Bank bewegen.

Kreditnehmer können davon ausgehen, dass die Mindestzinssätze für sie irrelevant sind. Der Eingangszinssatz wird regelmäßig nur gewährt, wenn

  • keine negativen Eintragungen bei der SCHUFA vorliegen,
  • der beste Scorewert, meist ermittelt von der SCHUFA, vorliegt (Score A),
  • der Kreditnehmer über ein besonders hohes, unbelastetes Nettoeinkommen verfügt.

Wer ohne zunächst konkrete Kreditanfragen stellen zu wollen abschätzen möchte, welche Banken günstige Kredite anbieten, hat mit dem repräsentativen Beispiel einen etwas besseren Maßstab.

Das repräsentative Beispiel enthält eine Zweidrittelregelung.

Zwei Drittel der Kreditnehmer erhalten ein Darlehen zu den im Beispiel angegebenen Zinssätzen oder zu besseren Zinssätzen.

Das repräsentative Beispiel ist aussagefähiger als die angegebene Zinsmarge.

Mehr als gewisse Anhaltspunkte liefert es jedoch nicht. Denn die Zweidrittelaussage gilt nur für die weiteren im Beispiel angegebenen Kreditmerkmale (Laufzeit und Kredithöhe).

Weichen Laufzeit und/oder Kredithöhe des gewünschten Kredits davon ab, stimmt das repräsentative Beispiel genau genommen nicht mehr.

Die Zweidrittel-Zinsen können höher oder niedriger sein.

Zusammengefasst können Kreditnehmer Darlehensangebote nur anhand der allgemeinen Angaben nicht effektiv vergleichen.

Ob Einheitszinssatz oder bonitätsabhängige Zinsen, immer ist die Einholung einiger konkreter Angebote erforderlich, um sich eine abschließende Meinung zu bilden.

Kreditnehmer können Kreditanfragen direkt bei Filialbanken oder online bei Direktbanken stellen.

Ein weiterer Weg sind Kreditanfragen über Vergleichsportale. Damit die Anfragen schufaneutral sind, dürfen sie nicht als Kreditanträge deklariert werden, sondern nur als Konditionenanfragen.

Werden Anfragen über die bekannten Vergleichsportale gestellt, ist dies regelmäßig gewährleistet.