Einkommensschutzbrief: Versicherung gegen Kreditausfälle?

Einkommensschutzbriefe, bisweilen auch Gehaltsschutzbriefe genannt, sind in Deutschland relativ neu und auch ziemlich unbekannt.

Erst in der Folge der Finanzkrise hat diese Versicherungsart in Deutschland eine gewisse Popularität erlangt.

Manchmal werden Einkommensschutzbriefe als Alternative zur Restschuldversicherung angeboten – eine Art „kleine und angeblich preisgünstige Kreditausfallversicherung“.

Schließlich können Einkommensausfälle durch den Verlust des Arbeitsplatzes die Rückzahlung einer Darlehensverbindlichkeit gefährden.

Nach unserer Auffassung sind aber Einkommensschutzbriefe im Rahmen eines Kreditabschlusses ebenso überflüssig wie Restschuldversicherungen.

Der Tipp lautet, auf solche Versicherungsprodukte zu verzichten, zumal die Leistungen häufig zu wünschen übrig lassen.

Einkommensschutzbrief: was ist das?

Gehaltsschutzbriefe sollen der kurzfristigen Liquiditätssicherung dienen, wenn regelmäßiges Einkommen durch Arbeitsplatzverlust und Arbeitsunfähigkeit wegfällt.

Manchmal werden Einkommensschutzbriefe auch als private Arbeitslosenversicherung bezeichnet.

Versicherungsnehmer können, soweit ersichtlich, nur sozialversicherungspflichtige, vollbeschäftigte Arbeitnehmer sein.

Das Mindesteintrittsalter beträgt 18 Jahre, das Höchstalter ist bei den einzelnen Versicherungsgesellschaften unterschiedlich und liegt meistens zwischen 57 und 67 Jahren.

Strenge Anforderungen an eine Gesundheitsprüfung werden regelmäßig nicht gestellt.

Es genügt das Ausfüllen eines Fragebogens gegebenenfalls zusammen mit ärztlichen Bescheinigungen. Einkommensschutzbriefe können häufig vollständig online über das Internet abgeschlossen werden.

Manche Versicherer verzichten auf eine gesonderte Risikoprüfung und ersetzen diese durch eine 12/24-Klausel.

Im Vertrag wird festgelegt, dass bestimmte, genau benannte Krankheiten erst nach 24 Monaten eine Versicherungsleistung auslösen, sofern sie in den letzten 12 Monaten vor Vertragsbeginn bestanden haben.

Der Arbeitsplatzverlust muss unverschuldet sein. Abgesehen vom Verlust des Arbeitsplatzes erstreckt sich der Versicherungsschutz häufig auf vorübergehende Leistungen bei unfallbedingter Invalidität, langen schweren Krankheiten und langen Krankenhausaufenthalten.

Gehaltsschutzbriefe bezwecken, den Unterschied zwischen den gesetzlichen Leistungen Arbeitslosengeld oder ALG II auszugleichen, und dadurch den Lebensstandard des Versicherungsnehmers für eine gewisse Zeit zu erhalten.

„Lebensstandard“ bedeutet in diesem Fall konkret, dass der Versicherte imstande bleibt, alle seine Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können, während die Bestreitung des Lebensunterhalts durch die Regelsätze der gesetzlichen Leistungen sichergestellt werden soll.

Leistungen aus Einkommensschutzbriefen sind für den Versicherungsnehmer zweckbestimmte Einnahmen, die weder auf das Arbeitslosengeld noch auf das ALG II angerechnet werden.

Zusammen mit gesetzlichen Leistungen darf jedoch das Nettoeinkommen vor Eintritt des Versicherungsfalles grundsätzlich nicht überschritten werden. Andernfalls liegt eine sogenannte Überversicherung vor.

Gehaltsschutzbriefe haben häufig eine Laufzeit von 12 Monaten. Zum Ablauf der Laufzeit können sie gekündigt werden.

Wird die Kündigung nicht ausgesprochen, verlängert sich der Vertrag automatisch erneut um 12 Monate.

Neben der ordentlichen Kündigung dürften Sonderkündigungsrechte beispielsweise nach Beitragserhöhungen gegeben sein.

Anders als Restschuldversicherungen sind Einkommensschutzbriefe darlehensunabhängig.

Die Versicherungsleistungen orientieren sich nicht an der Höhe einer Kreditrestschuld, und es erfolgt auch keine direkte Tilgung oder Übernahme von Kreditraten durch die Versicherung.

Das gilt auch, wenn der Gehaltsschutzbrief in unmittelbarem Zusammenhang mit einem Verbraucherdarlehen abgeschlossen wird.

Allerdings wird häufig das Bestehen von Verbindlichkeiten vorausgesetzt.

Leistungen und Prämien

Versicherungsleistungen sind meistens zeitlich auf 12 Monate begrenzt.

Je nach dem Inhalt des vereinbarten Vertrages und nach Versicherungsgesellschaften werden monatlich 50 Euro bis höchstens 1.500 Euro, bei Gehaltsschutzbriefen im Zusammenhang mit Kreditaufnahmen manchmal bis zu 2.000 Euro, ausgezahlt.

Einkommensschutzbriefe setzen sich in der Regel aus mehreren Komponenten zusammen. Man findet Elemente von Arbeitsunfähigkeits-, Berufsunfähigkeits-, Arbeitslosen- und Sterbeversicherungen.

Die Prämien richten sich regelmäßig danach, welche dieser Elemente ausgewählt werden und wie hoch die monatliche Versicherungssumme sein soll.

Die Beiträge beginnen bei etwa 6 Euro monatlich, und können bei vollem Versicherungsschutz und einer Höchstsumme von 1.500 Euro schon einmal 50 Euro betragen.

Haken und Ösen

Vor Abschluss eines Einkommensschutzbriefs empfiehlt sich ein Blick in die Allgemeinen Versicherungsbedingungen.

Oft enthalten sie eine Reihe von Haken und Ösen. Dazu gehören komplizierte Nachweispflichten, bevor die Versicherung ihre Leistung erbringt.

Es gibt Leistungsausschlüsse und sowohl Wartezeiten als auch Karenzzeiten. Beispielsweise beträgt die Wartezeit bei Arbeitslosigkeit 90 Tage.

Die Wartezeit ist der Zeitraum zwischen dem Versicherungsbeginn und dem Beginn des Versicherungsschutzes.

Beispiel: der Versicherungsvertrag wurde am 1. Januar abgeschlossen. Leistungen werden dann erst ab April fällig, selbst wenn die Arbeitslosigkeit schon im Februar eingetreten ist.

Darüber hinaus gibt es Karenzzeiten.

Die Karenzzeit ist der Zeitraum zwischen dem Eintreten des Versicherungsfalles und dem Einsetzen der Leistungspflicht.

Beispiel: der Versicherungsvertrag über den Gehaltsschutzbrief besteht seit dem 1. Januar. Am 1. September wird der Versicherungsnehmer arbeitslos. Es besteht eine Karenzzeit von 30 Tagen. Die Versicherung zahlt ab 1. Oktober.

Das Ziel, vorübergehende Liquiditätsausfälle zu verhindern, wird also dank Wartezeiten und Karenzzeiten keinesfalls in jedem Fall erreicht.

Anbieter

Nachfolgend werden einige Anbieter von Einkommensschutzbriefen aufgeführt. Die Aufzählung ist keineswegs abschließend.

Die Angaben, soweit sie recherchiert werden konnten, geben den Stand von April 2016 wieder.

CIGNA: die monatliche Versicherungsleistung beträgt zwischen 250 Euro und 1.500 Euro. Versicherungsnehmer können sich den gewünschten Versicherungsschutz nach dem Baukastensystem selbst zusammenstellen.

Ausgewählt werden können die Elemente Todesfall, Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit.

Die Prämien (Stand 2010) betragen zwischen 3,75 Euro monatlich bei 250 Euro für Todesfall und Arbeitsunfähigkeit und 46,50 Euro monatlich bei 1.500 Euro für Todesfall/Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit.

Neuere Daten zu den Prämien konnte nicht ermittelt werden.

Cardif (BNP Paribas): BNP Paribas ist die Muttergesellschaft von DAB und Consors.

Der Versicherungsschutz umfasst die finanziellen Risiken bei Arbeitsplatzverlust und Arbeitsunfähigkeit.

Zudem werden Beratung- und Informationsleistungen geboten. Offenbar hilft die Versicherung bei der Vorbereitung von Bewerbungen oder bei der Beantragung von Sozialleistungen.

Die Versicherungssumme ist nach der Laufzeit vor Eintritt des Versicherungsfalles gestaffelt: im 1. Jahr 400 Euro und ab dem 6. Jahr 500 Euro es gilt eine 12-monatige Begrenzung je Versicherungsfall.

Württembergische Einkommensschutzbrief Besser Leben: Unter anderem bietet die Württembergische bei Krankheit ein Tagegeld für jeden Tag der völligen Arbeitsunfähigkeit nach Ablauf der Lohnfortzahlung und bei Berufsunfähigkeit eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente bis zum 60. Lebensjahr ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit.

Zudem wird eine Unfallrente ab 50 Prozent Invalidität angeboten.

Credit Life: Der Schutzbrief kann offenbar über Partnerbanken abgeschlossen werden. Es gibt die üblichen Wartezeiten und Karenzzeiten.

Offenbar sind mehrere Tarife mit unterschiedlichen Leistungsinhalten möglich.

Commerz Finanz - Der Einkommensschutzbrief der Commerzbank: ) in Zusammenarbeit mit BNP Paribas.

Offenbar gelten dieselben Bedingungen wie bei Cardif.

Jedenfalls gibt es dieselbe Wartezeit sowie nach Laufzeit gestaffelte monatliche Leistungen zwischen 400 Euro und 500 Euro.

Die Webseite enthält einen Link zu den Allgemeinen Versicherungsbedingungen, in denen der Leistungsumfang mit Einschränkungen und Ausschlüssen genau beschrieben ist.

Einkommensschutzbrief sinnvoll?

Der Abschluss von Einkommensschutzbriefen ist nicht unbedingt zu empfehlen. Die monatlichen Prämien erscheinen gering.

Sie sind aber hoch, wenn man sich genauer ansieht, welche Versicherungsleistungen erbracht werden.

Es gibt Wartezeiten und Karenzzeiten, die dem Zweck von Gehaltsschutzbriefen, eine kurzfristige Liquiditätslücke so schnell wie möglich zu schließen, zuwiderlaufen.

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen enthalten zudem regelmäßig eine Reihe von komplizierten Nachweis- und Benachrichtigungspflichten. Manchmal ist der Leistungsumfang durch Ausschlüsse (zeitweise) eingeschränkt.

Die Rückzahlung kleinerer Verbraucherdarlehen muss unseres Erachtens weder mit Restschuldversicherungen noch mit Einkommensschutzbrief abgesichert werden.

Etwas anderes kann gelten, wenn es sich um umfangreiche Immobilienkredite oder andere Darlehen mit hohen Kreditsummen und langen Laufzeiten handelt.

In diesen Fällen kann eine Versicherung sinnvoll sein, wenn nur ein Hauptverdiener vorhanden ist.

Zur Absicherung kommen Risikolebensversicherungen, Unfallversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen in Betracht.

Solche Versicherungen sollten besser unabhängig von der Kreditaufnahme gegebenenfalls unter Nutzung eines Versicherungsvergleichs oder nach Einschaltung eines unabhängigen Beraters abgeschlossen werden.

Von Banken vermittelte Produkte sind sehr häufig teuer und der Versicherungsschutz lässt zu wünschen übrig.