Pfandleihe: schnelles Geld bei hohen Kosten

Der Pfandkredit, auch Pfandleihe genannt, hat in den letzten Jahren deutlich an Popularität zugenommen.

Während in früheren Zeiten Kunden eher verschämt in ein Pfandhaus geschlichen sind, ist diese Kreditart heutzutage vollständig gesellschaftsfähig.

Pfandleihhäuser profitieren offensichtlich von den seit der Finanzkrise bestehenden Restriktionen bei der Kreditvergabe.

Aber es sind nicht in erster Linie Menschen mit echten Geldproblemen, die sich um einen Pfandkredit bemühen. Die Kunden der Pfandhäuser gehören vornehmlich dem Mittelstand an.

Selbstständige, Gewerbetreibende sowie Rentner und Pensionäre mit guten Ruhestandsgehältern beispielsweise haben allzu oft Probleme, von Banken ein Darlehen zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe zu bekommen.

Dabei spielt keine Rolle, dass ihre finanziellen Verhältnisse im Grunde geordnet sind und sie über gute laufende Einkünfte verfügen.

Beim Pfandkredit spielen die wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse des Kreditnehmers keine Rolle. Es kommt allein auf den Beleihungswert des Pfandgegenstandes an.

Tipps zur Pfandleihe

  1. Als Pfand eignen sich am besten Wertgegenstände wie wertvolle Uhren, Schmuck, Antiquitäten und Kunstgegenstände. Wegen des geringen Beleihungswerts sind elektronische Geräte weniger geeignet. Einige Pfandleiher akzeptieren Kraftfahrzeuge.
  2. Es gibt Gegenstände, deren Marktwert einfach zu schätzen ist wie Uhren oder Goldschmuck und andere Gegenstände wie Gemälde oder Antiquitäten, bei denen dies schwieriger ist. Wer beispielsweise für sehr wertvoll gehaltene Gemälde verpfänden möchte, sollte vielleicht eine gutachterliche Stellungnahme einholen, bevor er das Pfandhaus betritt.
  3. Vorteilhaft ist, wenn der ausgewählte Pfandleiher Mitglied im Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes ist. Kreditnehmer können dann davon ausgehen, dass der Pfandkredit solide und professionell abgewickelt wird. In dem Verband sind ungefähr 200 Pfandleiher organisiert.
  4. Eine realistische Einschätzung des Wertes des Pfandes schützt vor bösen Überraschungen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und manch aus der Mode gekommener altertümlicher Schmuck ist möglicherweise nicht so beleihungsfähig, wie zunächst angenommen.
  5. Pfandkredite dienen der kurzfristigen Beseitigung von Finanzengpässen. Die gesetzliche Laufzeit beträgt drei Monate, allerdings mit Verlängerungsmöglichkeit. Muss verlängert werden, erhöhen sich die effektiven Zinsen durch die zusätzlichen Kosten überproportional.
  6. Ein Prozent Zinsen pro Monat oder 12 % jährlich, das klingt nicht so schlecht, verglichen beispielsweise mit Zinsen für Dispositionskredite. Doch dürfen die Kosten nicht vergessen werden. Vor allem bei kleineren Pfandkrediten treiben sie die effektiven Zinsen spürbar in die Höhe.
  7. Deshalb ist der Pfandkredit unseres Erachtens eher eine Notlösung, wenn andere, günstigere Kreditlösungen nicht möglich sind. Auch die kurzzeitige Ausschöpfung eines Dispokredits ist in der Regel selbst bei höheren Zinssätzen günstiger.
  8. Bei Pfandkrediten sollten die vereinbarungsgemäße Rückzahlung des Darlehens und die Auslösung des Pfandes definitiv sicher sein. Kann der Kredit nicht zurückgezahlt werden, drohen Einbußen, weil etwa im Rahmen einer Versteigerung nur ein Teil des tatsächlichen Marktwertes des Pfandes realisiert wird. Zwar kommt der Pfandleiher auf seine Kosten, weil er den Beleihungswert vorsichtig kalkuliert. Aber der Kreditnehmer verliert das Pfand möglicherweise unter Wert.
  9. Vorsicht bei Weiterfahroptionen im Rahmen von Kfz-Pfandkrediten. Häufig handelt es sich rechtlich gar nicht um echte Pfandleihe, der besondere Schutz der Pfandleiherverordnung besteht nicht und die Anbieter sind nicht Mitglieder des Verbandes. Oft ist das Vertragswerk kompliziert und darüber hinaus nicht rechtsbeständig. Häufig besteht es aus Sicherungsübereignungen Rückkaufverträgen und/oder Mietverträgen.
  10. Kreditnehmer sollten den Kreditpfandvertrag gründlich durchlesen, bevor sie ihn abschließen. Vor allem bei Beträgen über 300 € ist dies wichtig, weil die gesetzlichen Kostenvorgaben dann nicht mehr gelten. Zudem ist ein Widerruf, anders als bei Verbraucherdarlehen, nicht möglich.

Was ist ein Pfandkredit

Ein Pfandkredit ist ein Darlehen, welches ausschließlich gegen ein Pfandrecht an beweglichen Sachen gewährt wird.

Das Pfandrecht, auch Faustpfand genannt, ist in den Paragrafen 1204 folgende BGB geregelt.

Es wird durch eine Einigung über die Verpfändung und die Übergabe der Pfandsache an den Pfandleiher begründet.

Der Pfandkredit wird mit der Übergabe des Pfandes nach der entsprechenden Vereinbarung unmittelbar ausgezahlt.

Die Pfandübergabe ist die einzige Voraussetzung. Es finden keine Prüfungen zur Bonität statt. Sie wäre auch überflüssig, weil der Kredit selbst für die Rückzahlung des Darlehens nicht haftet.

Er kann nicht in Anspruch genommen werden. Bleibt der Kreditnehmer die Rückzahlung des Darlehens schuldig, wird der verpfändete Gegenstand verwertet, um die Forderung glattzustellen.

Als Pfand kommen alle Gegenstände infrage, die über einen gewissen in Geld auszudrückenden Wert verfügen; anders ausgedrückt, die sich für eine Weiterveräußerung eignen.

In der Praxis werden häufig Schmuck und Münzen aus Edelmetallen (Gold, Silber, Platin) oder wertvolle Uhren verpfändet. Solche Luxusgüter machen etwa 90 % aller Faustpfänder aus.

Als Pfand in Betracht kommen weiterhin technische Geräte aller Art wie Kameras oder Kommunikationstechnologie, Fahrräder und vor allem in den letzten Jahren auch Kraftfahrzeuge.

Auch Wertpapiere (Inhaberpapiere) können als Sicherheit für einen Pfandkredit dienen, sofern sie an den Pfandleiher körperlich übergeben werden können.

Wie funktioniert ein Pfandkredit?

Die Pfandleihe findet regelmäßig im Geschäftsbüro des Pfandleihers statt. Grundsätzlich muss sich der Kunde dort einfinden.

Der Pfandleiher schließt mit dem Kunden den Pfandkreditvertrag, nimmt das Faustpfand in Besitz und zahlt die Darlehenssumme aus.

In Deutschland gibt es gewerbliche Pfandleiher und, allerdings nur noch vereinzelt, so genannte Leihhäuser oder Pfandanstalten.

Dabei handelt es sich um kommunale und staatliche Einrichtungen. In einigen Fällen werden die Leihhäuser nicht direkt von den Kommunen betrieben, stehen aber unter deren Einfluss.

Gewerbliche Pfandleiher benötigen eine Gewerbezulassung nach Paragraf 34 der Gewerbeordnung.

Viele Kommunen machen den Nachweis relativ hoher Sicherheiten zur Voraussetzung der Erteilung. Abgesehen von dem Erfordernis der Erlaubnis ist die Pfandleihe in der Pfandleiherverordnung recht streng geregelt.

Nach Paragraf 8 der Verordnung muss der Pfandleiher das Pfand, welches sich in seinem Besitz befindet, gegen Einbruchdiebstahl und Raub sowie Feuer und Leitungswasser versichern.

Der Zinssatz darf bis zu einer Kreditsumme von 300 € höchstens einen Prozent pro angefangenem Monat betragen (Paragraf 10).

Höhere Kredite werden regelmäßig mit 2 % monatlich verzinst. Die Laufzeit ist mit drei Monaten gesetzlich vorgeschrieben.

Der Kredit kann verlängert werden. Dabei handelt es sich mehr um den erneuten Abschluss desselben Pfandkredits zu den gleichen Bedingungen. Nicht nur die Zinsen sind gleich, auch alle Kosten fallen erneut an.

Für die Kosten gibt es ebenfalls gesetzliche Höchstgrenzen. Bis zu einem Betrag von 100 € besteht eine Obergrenze zwischen 1 € und 2,50 € pro Monat.

Übersteigt der Kreditbetrag 100 € werden für jede weiteren 50 € zusätzlich 1 € monatlich an Gebühr fällig. Steigt die Kreditsumme über den Betrag von 300 €, ist die Gebührenhöhe Sache der zwischen den Parteien getroffenen Vereinbarung.

Am Ende der 3-monatigen Laufzeit kann der Kreditnehmer das Pfand auslösen. Er führt den Kreditbetrag nebst Zinsen und Kosten gegen Aushändigung des Faustpfandes zurück.

Wird das Pfand bei Fälligkeit nicht ausgelöst, kann der Gegenstand einen Monat später verkauft werden, in der Regel im Rahmen einer Versteigerung. Nach 6 Monaten ist der Pfandleiher zur Verwertung verpflichtet.

Die Versteigerung ist gesetzlich geregelt und wird durch einen vereidigten Auktionator vorgenommen. Zudem erfolgt eine öffentliche Bekanntmachung.

Lässt sich der verpfändete Gegenstand nicht versteigern, darf er im Ladenlokal des Pfandleihers verkauft werden.

Führt die Verwertung nach Abzug des Kreditbetrages und aller Zinsen und Kosten zu einem Überschuss, wird dieser an den Kreditnehmer ausgekehrt. Mindererlöse gehen zulasten des Pfandleihers.

Das Verlustrisiko des Pfandleihers ist allerdings gering. Denn der Kreditnehmer erhält regelmäßig nicht mehr als 25 - 50 % des geschätzten Warenwerts.

Zudem werden nach Erhebungen des Verbandes nur etwa 7 % der hinterlegten Gegenstände nicht ausgelöst, so dass eine Versteigerung erforderlich wurde.

Sonderfall Kfz-Pfandleihe

Die Kfz-Pfandleihe ist ein relativ neues Geschäft. In Deutschland haben sich etwa seit 20 Jahren einige Pfandleiher darauf spezialisiert. Auch allgemeine Pfandhäuser akzeptieren bisweilen Kraftfahrzeuge als Pfand.

Verpfändet werden können alle Typen von Kraftfahrzeugen: PKWs, LKWs, Motorräder, Oldtimer, Wohnmobile oder Motorräder.

Der Verleiher muss den Brief und den Fahrzeugschein bereithalten. Die Urkunden dienen der Feststellung der Eigentumsverhältnisse und sind bei der Ermittlung des Marktwertes eine Hilfe.

Die Ermittlung des Zeitwertes ist relativ einfach, da für Gebrauchtfahrzeuge ein funktionierender Markt mit ausreichendem Angebot und ausreichender Nachfrage besteht.

In der Regel wird der Zeitwert anhand von Tabellen oder einer DAT-Schätzung online festgelegt. Der Beleihungswert beträgt etwa 60 - 70 % des Zeitwertes, in einigen Fällen sollen 80 % möglich sein.

Das als Pfand gegebene Fahrzeug geht in den Besitz des Pfandleihers über und wird dort untergestellt.

Grundsätzlich kann der Verleiher das Fahrzeug deshalb nicht weiter nutzen. Der Eigentümer des Kfz ist regelmäßig auf einen Mietwagen angewiesen, der bisweilen vom Pfandleiher selbst, sogar manchmal kostenlos, zur Verfügung gestellt wird.

Manche Pfandhäuser räumen eine Weiterfahroption ein. Dadurch erhöhen sich jedoch die Kosten der Pfandleihe und/oder die Zinssätze erhöhen sich. Außerdem ist immer eine Vollkaskoversicherung Voraussetzung.

Einige Anbieter von Weiterfahroptionen schließen mit ihren Kunden relativ komplizierte Vereinbarungen bestehend aus Kaufverträgen, Sicherungsübereignungen und Mietverträgen ab.

Nicht jede dieser Vereinbarungen hat rechtlichen Bestand. Kreditnehmer sollten deshalb rechtlichen Rat einholen, bevor sie sich für eine solche Weiterfahroption entscheiden.

Die Kreditsummen werden regelmäßig 300 € übersteigen, so dass Zinsen und Kosten frei vereinbart werden können.

Zudem lässt die Pfandleiherverordnung für die Aufbewahrung, Pflege und Versicherung des Kfz eine so genannte Standgebühr zu, die täglich berechnet wird.

Pro und contra

Pfandkredite sind schnell und unbürokratisch. Man bringt den Pfandgegenstand zum Pfandleiher, lässt ihn schätzen, übergibt das Faustpfand und erhält das Geld nach Abschluss des Pfandkreditvertrages.

Es müssen keine langwierigen Kreditantragsverfahren abgewartet werden und Schufaauskünfte finden nicht statt.

Zudem ist die Pfandleihe ausführlich gesetzlich geregelt und deshalb für den Verleiher sicher. Pfandkredite können zur Überbrückung eines kurzfristigen finanziellen Engpasses hilfreich sein.

Da Eintragungen in die Dateien von Wirtschaftsauskunfteien entfallen, wirken sich Pfandkredite nicht auf die Bonität für zukünftige Kreditaufnahmen aus.

Andererseits sind Pfandkredite wirklich teuer. Kreditnehmer sollten sich nicht durch die geringen Zinsen, ein Prozent oder zwei Prozent je angefangenem Monat, täuschen lassen.

Der entscheidende Kostenfaktor sind die Gebühren. Durch die Kosten erhöht sich die effektive jährliche Zinsbelastung beispielsweise eines Pfandkredits über 100 € auf satte 40 %. Das ist ein Zinssatz, der allenfalls noch bei den teuren Mikrokrediten erreicht wird.

Alternativen

Eine Alternative ist der Verkauf des Wertgegenstandes. Ein Verkauf bietet sich an, wenn Kredite nicht mehr möglich sind, und auch die kurzfristige Rückführung des Darlehens unsicher ist.

Beim Verkauf entfallen die relativ hohen Kreditkosten, und der Eigentümer kann versuchen, den bestmöglichen Veräußerungserlös zu erzielen.

In Betracht kommt außerdem die Aufnahme eines Rahmenkredites. Die effektiven Jahreszinsen sind deutlich niedriger als beim Pfandkredit, und verzinst wird ausschließlich der in Anspruch genommene Betrag.

Selbst Dispokredite sind günstiger als Pfandkredite.

Wertpapiere wie Aktien oder andere Inhaberpapiere müssen nicht dem Pfandleiher übergeben werden. Sie können ebenso als Sicherheit für einen normalen Bankkredit dienen.

Banken akzeptieren darüber hinaus Bausparverträge und Kapitallebensversicherungen als Sicherheit für einen herkömmlichen Ratenkredit. Beliehen werden können etwa 60 % des aktuellen Rückkaufswertes.

Daneben kommt als Alternative zum Pfandkredit ein sogenanntes Policendarlehen in Betracht, welches manche Versicherungsgesellschaften ausgeben.