Versicherungen als Kreditgeber: Baugeld und Policenkredit

Wenn es um Kredite geht, machen Versicherungen den Banken Konkurrenz – und das schon seit Jahren. Allerdings geht es dabei nicht um einfache Ratenkredite.

Im Mittelpunkt steht die Vergabe von langfristigen Baufinanzierungen.

Und natürlich beleihen Lebensversicherer gerne die bei ihnen abgeschlossenen Kapitallebensversicherungen.

Ist eine Versicherungsgesellschaft mit der Vergabe von Darlehen befasst, spricht man häufig von Versicherungsdarlehen.

Es handelt sich dabei aber keineswegs um eine besonders definierte Kreditart. Vielmehr verbergen sich dahinter drei unterschiedliche Finanzierungsformen:

Endfällige Baukredite mit Tilgungssurrogaten, Policenkredite, auch als Policendarlehen bezeichnet, und – seit der durch die Finanzkrise ausgelösten Niedrigzinsphase – zunehmend auch herkömmliche Annuitätendarlehen zur Baufinanzierung.

Unser Artikel erklärt, was es mit den verschiedenen Versicherungsdarlehen auf sich hat und wo die Vorteile und Risiken gegenüber Kreditabschlüssen bei Banken liegen.

Policendarlehen

Mit einem Policendarlehen zahlt der Lebensversicherer einen Vorschuss auf die voraussichtliche Versicherungsleistung aus.

Es handelt sich also streng genommen um keinen wirklichen Kredit. Der Versicherungsnehmer erhält auch kein fremdes Geld.

Vielmehr wird nur so viel ausgezahlt, wie bisher in die Lebensversicherung eingezahlt wurde. Hinzu kommen noch die bis dahin erwirtschafteten Gewinnanteile.

Das Policendarlehen ist der Höhe nach begrenzt. Ausgezahlt wird ein Prozentsatz vom Rückkaufswert.

Bei herkömmlichen Kapitallebensversicherungen beläuft sich der Prozentsatz meistens auf 70 % bis 80 %. Schwieriger ist ein Policenkredit zu erhalten, wenn fondsgebundene Lebensversicherungen beliehen werden sollen.

Wenn überhaupt, werden fondsgebundene Lebensversicherungen oft nur mit ca. 50 % des aktuellen Wertes der unterlegten Wertpapiere beliehen.

Die Versicherungswirtschaft rückt gegenwärtig zunehmend von der Ausgabe klassischer Kapitallebensversicherungen ab.

Garantiezinsen sind aus der Mode gekommen. Wer eine solche moderne Kapitallebensversicherung beleihen möchte, wird wahrscheinlich mit einem Prozentsatz vom Rückkaufswert rechnen müssen, der dem fondsunterlegter Kapitallebensversicherungen entspricht.

Konditionen

Die Handhabung von Policenkrediten ist unterschiedlich. Grundsätzlich sind sie endfällig. D. h., der ausgezahlte Betrag wird am Ende der Laufzeit der Lebensversicherung durch Verrechnung mit der Ablaufleistung beglichen.

Während der Laufzeit fallen lediglich Zinsen an. Policendarlehen sind aber in der Regel äußerst flexibel. Möglich ist auch eine Tilgung in vereinbarten Raten. Ebenso können Sondertilgungen oder sogar die vorzeitige vollständige Kreditablösung vereinbart werden.

Besonderheiten bestehen auch bei der Beitragszahlung während der Kreditlaufzeit. Versicherungsnehmer können den Vertrag beitragsfrei stellen.

Zu beachten ist aber, dass sich dadurch die Ablaufleistung und auch der Todesfallschutz entsprechend verringern. Eine andere Variante ist, die Beiträge neben den Zinsen für das Policendarlehen weiter zu begleichen.

Policendarlehen werden mit der Versicherungsgesellschaft abgeschlossen, bei der die Lebensversicherung läuft.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten. Beispielsweise können sich Versicherungsnehmer Policendarlehen über den Zweitmarkt besorgen. In manchen Fällen können dadurch bessere Konditionen erreicht werden.

Der Marktführer in Deutschland ist Policen Direkt. Es handelt sich um einen seriösen Finanzdienstleister.

Ein anderer Weg ist die Zwischenschaltung einer Bank.

Hier handelt es sich eher um einen mittelbaren Policenkredit, denn die Bank ist der Kreditgeber, während die Lebensversicherungspolice der Sicherheit dient. Die Besonderheit:

Die Bank selbst bezahlt während der Kreditlaufzeit die Prämien. Sie tut das aus der Kreditsumme.

Dadurch bleiben Ablaufleistung und Todesfallschutz vollständig erhalten. Das ist der Vorteil. Nachteilig ist jedoch, dass nicht die gesamte Kreditsumme ausgezahlt wird. Ein Teil des Kredits behält die Bank, um daraus die Versicherungsprämien zu tilgen.

Policendarlehen: Vor- und Nachteile

Policendarlehen sind relativ unkompliziert, und die Zinssätze sind oft günstiger als bei herkömmlichen Ratenkrediten.

Denn es besteht so gut wie überhaupt kein Ausfallrisiko für den Kreditgeber. Zudem sind Policenkredite ein Weg, trotz Problemen mit der SCHUFA ein Darlehen zu erhalten.

In der Regel spielen eine schlechte SCHUFA und niedrige Scorewerte für die Kreditvergabe keine Rolle.

Nachteile entstehen vor allem, wenn Versicherungsnehmer sich dafür entscheiden, die Versicherung beitragsfrei zu stellen.

Negative Auswirkungen auf die Ablaufleistung und den Todesfallschutz sind die Folge. Auch können Probleme auftreten, wenn Paketlösungen mit anderen Versicherungsleistungen wie Unfallschutz abgeschlossen wurden.

Werden keine Tilgungsleistungen während der Laufzeit des Policendarlehens geleistet (endfälliges Darlehen) erhöhen sich insgesamt gesehen gegenüber normalen Ratenkrediten die Zinszahlungen.

Möchte der Versicherungsnehmer neben dem Policendarlehen den Vertrag normal weiterlaufen lassen, fallen zusätzlich zu den Zinsen die Prämien aus der Lebensversicherungspolice an.

Das Policendarlehen ist ein Allzweckkredit. Die Verwendung steht im Belieben des Kreditnehmers. Er kann das Darlehen für normale Anschaffungen aufnehmen oder zur Mitfinanzierung eines Bauvorhabens.

Herkömmliches Versicherungsdarlehen

Das klassische Versicherungsdarlehen ist eine Kombination aus endfälligem Kredit und einem Finanzprodukt, mit dem das Darlehen am Ende der Laufzeit getilgt wird.

Oft handelt es sich um eine Kapitallebensversicherung. In Betracht kommen aber auch andere Finanzprodukte wie Rentenversicherung oder Wertpapiersparverträge. Auch Bausparverträge sind beliebt.

Während der Kreditlaufzeit werden ausschließlich Zinsen auf die Kreditsumme geleistet. Darüber hinaus müssen die Beiträge für das vereinbarte Finanzprodukt entrichtet werden. Bei Lebensversicherungen sind das die laufenden Versicherungsprämien.

Die Konstruktion – endfälliges Darlehen mit Tilgungssurrogat – wird häufig für Baufinanzierungen verwendet.

Sie kommt darüber hinaus auch bei sogenannten Beamtendarlehen mit sehr langer Laufzeit infrage. Ob das in Zukunft nach den neuesten Vorschriften über die Kreditvergabe noch weiter der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

Ein Vorteil dieser Versicherungsdarlehen ist, dass die monatlichen Belastungen für sich gesehen geringer als bei einem Annuitätendarlehen sein können.

Wird die finanzierte Immobilie gewerblich genutzt, also vermietet oder verpachtet, können Steuervorteile entstehen, weil die Zinsen Werbungskosten sind. Zudem besteht Todesfallschutz für die versicherte Person.

Ein Nachteil ist, wie bei allen endfälligen Darlehen, die höhere Zinsbelastung, da eine Tilgung während der Laufzeit nicht erfolgt.

Außerdem kann es zu Problemen kommen, wenn die Ablaufleistung des vereinbarten Surrogats zur Tilgung des Kredits nicht ausreicht.

Bei Kapitallebensversicherungen oder Wertpapiersparplänen lässt sich die Ablaufleistung höchstens schätzen, aber niemals genau bestimmen.

Um Nachschusspflichten bei Kreditende zu vermeiden, werden deshalb häufig Verträge mit einem Sicherheitspolster abgeschlossen, wodurch sich die Beiträge für das Surrogat natürlich erhöhen. Ein endfälliges Darlehen kombiniert mit Bausparverträgen ist noch die beste Lösung.

Das endfällige Darlehen muss nicht von der Versicherungsgesellschaft selbst stammen. Häufig arbeiten Banken mit Versicherungen zusammen. Der Kredit stammt dann von der Bank. Das Surrogat von einer Versicherung.

Vergibt die Versicherungsgesellschaft das endfällige Darlehen zusammen mit einem Versicherungsvertrag, ist die rechtliche Situation mit der eines Policenkredits vergleichbar.

Der Kredit ist rechtlich gesehen eine Vorauszahlung auf die zu erwartende Ablaufleistung. Die Zinsen sind in einem entsprechend erhöhten Versicherungsbeitrag enthalten.

Annuitätendarlehen

Manche Versicherungen machen Banken seit einigen Jahren echte Konkurrenz und vergeben Annuitätendarlehen.

Seit Beginn der Niedrigzinsphase legen sie das Geld ihrer Versicherungskunden in Baukrediten an.

Trotz der niedrigen Bauzinsen bieten gegenwärtig Immobilienkredite bei hoher Sicherheit bessere Renditen als Pfandbriefe oder Staatsanleihen.

Annuitätendarlehen von Versicherungen sind besonders günstig, wenn lange Zinsbindungsfristen vereinbart werden.

Manche Versicherungen bieten Zinsbindungen bis zu 40 Jahren an. Banken mögen so lange Zinsbindungen in der Regel nicht.

Wie bei Banken werden häufig Sondertilgungsmöglichkeiten gewährt, KfW Förderprogramme können eingebunden werden und selbst Wohnriester ist möglich.

Zinsfreie Bereitstellungszeiträume von bis zu 4 Monaten manchmal bis zu 10 Monaten sind ein weiterer Vorteil von Baukrediten bei Versicherungsgesellschaften. Wie die meisten Banken, legen Versicherungen Wert auf eine erstrangige Besicherung.

Ein Nachteil mag der regelmäßig niedrige Beleihungsauslauf sein. Der Beleihungsauslauf begrenzt die Darlehenshöhe auf einen bestimmten Prozentsatz des Beleihungswertes.

Beispiel: Der Wert einer Immobilie (Kaufpreis) beträgt 300.000 Euro. Der Beleihungswert wird regelmäßig 10 % bis 20 % darunter angesetzt.

Bei einem Abschlag von 20 % sind dies 240.000 Euro. Versicherungen begrenzen oft anders als Banken den Beleihungsauslauf auf 60 % des Beleihungswertes. In unserem Beispiel sind also Darlehenssummen in Höhe von höchstens 144.000 Euro möglich.

Wer mit diesem Betrag nicht auskommt, aber trotzdem ein Annuitätendarlehen bei einer Versicherung abschließt, „verschenkt“ den 1. Rang. Die Restfinanzierung wird teuer, weil sich die Bank mit dem 2. Rang zufriedengeben muss.

Marktführer bei Annuitätendarlehen von Versicherungen scheint die Allianz zu sein. Sie taucht auch in manchen Kreditvergleichen auf. Weitere Anbieter von Baukrediten sind die Ergo, AXA oder DEVK. Die Aufzählung ist nicht abschließend.

Es handelt sich um eine Kombination aus Annuitätenkredit und Bausparvertrag. Ein endfälliges Darlehen ist nicht im Spiel. Mit dem Bausparvertrag kann das Zinsänderungsrisiko bei Ablauf der Zinsbindung minimiert werden.

Ob dieses Angebot wirklich günstig ist, ist eine Frage des Einzelfalls. Versicherungen möchten natürlich ihre eigenen Produkte oder die ihrer Kooperationspartner an die Frau oder den Mann bringen.

Verbraucher können Kombinationen aus Kredit und Bausparvertrag unabhängig von einem bestimmten Anbieter konstruieren. Sie können den Kredit bei der X-Bank abschließen und den Bausparvertrag bei der Y-Versicherung. Manchmal fahren Sie damit besser.

Überhaupt ist ein gründlicher Konditionenvergleich vor Abschluss einer jeden Baufinanzierung zu empfehlen.

Kostenlose Vergleichsrechner im Internet erleichtern diese Arbeit. Unser Favoriten sind Interhyp und der Hypothekenrechner der FMH Finanzberatung.

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