Verschiedene Zinsarten bei Krediten kurz erklärt

Zins ist das Entgelt, ausgedrückt in einem bestimmten Betrag, welches der Schuldner dem Gläubiger für die vorübergehende Überlassung von Gütern und Kapital zahlen muss.

Der Zinssatz ist der in Prozent ausgedrückte Zinsbetrag pro Zeitintervall, meistens berechnet pro Jahr.

Wer Miete für die Gebrauchsüberlassung einer Sache zahlt, der leistet eigentlich eine Zinszahlung. Zinsen werden also nicht nur im Rahmen der Überlassung von Geld bezahlt.

Unterschieden werden Sollzinsen von Habenzinsen, je nachdem ob jemand Zinsen bezahlt oder Zinsen erhält.

Kreditnehmer erhalten Kapital und zahlen dafür ein Entgelt. Aus ihrer Sicht ist der Zins ein Sollzins. Der Kreditgeber, die Bank, überlässt dem Kreditnehmer gegen Entgelt eine bestimmte Geldsumme für eine bestimmte Zeit.

Aus Sicht der Bank ist der Kreditzins ein Habenzins. Anleger, zum Beispiel Investoren in Tagesgeld, geben der Bank Geld und erhalten dafür einen Habenzins, der sich für die Bank als Sollzins darstellt.

Hier geht es um die Zinsen, mit denen Kreditnehmer zu tun haben, die ein Darlehen aufnehmen wollen. Die Grundlage bildet der Sollzinssatz.

Der Gesetzgeber hat außerdem, vornehmlich zum Schutz der Verbraucher, weitere Zinsarten eingeführt, die den reinen Sollzinssatz modifizieren.

Sollzinssatz und gebundener Sollzinssatz

Die Begriffserklärung für „Sollzinssatz“ und „gebundener Sollzinssatz“ im Rahmen von Darlehensverträgen liefert der Gesetzgeber selbst in Paragraf 489 Abs. 5 BGB:

Sollzinssatz ist der gebundene oder veränderliche periodische Prozentsatz, der pro Jahr auf das in Anspruch genommene Darlehen angewendet wird. Der Sollzinssatz ist gebunden, wenn für die gesamte Vertragslaufzeit ein Sollzinssatz oder mehrere Sollzinssätze vereinbart sind, die als feststehende Prozentzahl ausgedrückt werden. Ist für die gesamte Vertragslaufzeit keine Sollzinsbindung vereinbart, gilt der Sollzinssatz nur für diejenigen Zeiträume als gebunden, für die er durch eine feste Prozentzahl bestimmt ist.

Danach ist der gebundene Sollzinssatz ein Festzins entweder für die gesamte Laufzeit eines Darlehens oder für bestimmte Zeiträume während der Laufzeit.

Bei klassischen Ratenkrediten ist der Sollzinssatz grundsätzlich über die gesamte Laufzeit gebunden. Kredite mit gebundenem Sollzins bieten Planungssicherheit über die gesamte Laufzeit.

Vor der grundlegenden Gesetzesreform zum Verbraucherdarlehen war die Bezeichnung Nominalzins üblich. Sollzins und Nominalzins sind das gleiche, soweit es um den Zinssatz geht, den ein Kreditnehmer an den Kreditgeber zu bezahlen hat.

Variabler Sollzins

Wird ein variabler Sollzins vereinbart, kann sich das Entgelt für die Gebrauchsüberlassung von Kapital (für den Kredit) entsprechend den getroffenen Regelungen ändern. Variable Zinssätze bergen für Kreditnehmer das Risiko der Zinserhöhung.

Auf der anderen Seite sind die anfänglichen variablen Sollzinssätze bei Kreditabschluss regelmäßig niedriger als die zur gleichen Zeit geltenden gebundenen Zinssätze.

Zudem können Darlehensverträge mit veränderlichem Zinssatz jederzeit mit einer Frist von drei Monaten gekündigt werden. Diese Regelung ist vor allem für Immobilienkredite mit variablem Sollzinssatz interessant.

Dispositionskredite und Rahmenkredite sind Darlehen mit veränderlichem Sollzinssatz. Theoretisch können sich die Zinssätze also täglich ändern.

In der Praxis werden aber oft bestimmte Regelungen über Zinsänderungsintervalle getroffen. Beispielsweise wird vereinbart, dass die Zinsen alle drei Monate an einen bestimmten Marktzins angepasst werden können.

Abgesehen von variablen Zinssätzen weisen Dispositionskredite und Rahmenkredite aber noch eine andere Besonderheit auf.

Grundsätzlich wird keine bestimmte Laufzeit vereinbart. Zinsen fallen nur auf den in Anspruch genommenen Kreditbetrag an.

Grundsätzlich werden die Zinsen von Dispositionskrediten und anderen Rahmenkrediten an einen bestimmten Marktzins, den Referenzzinssatz, vertraglich gebunden. Andernfalls könnte der Kreditgeber die Zinssätze jederzeit beliebig erhöhen.

Üblich sind Regelungen, die eine Anpassung vorsehen, wenn sich der Referenzzinssatz um einen bestimmten Wert erhöht. Beliebt ist der Euribor als Referenzzinssatz. Es gibt aber noch andere:

  • Euribor („Euro InterBank Offered Rate“): Der Euribor ist der durchschnittliche Zinssatz, zu dem 24 Banken aus dem Euro Raum Termingelder mit Laufzeiten zwischen einer Woche und zwölf Monaten anbieten. Er wird an jedem Bankarbeitstag neu ermittelt.
  • Libor („London Interbank Offered Rate“): Der Libor ist ein Durchschnittszinssatz, zu dem bestimmte Banken ungesicherte Anleihen auf dem Londoner Geldmarkt anbieten dürfen. Es gibt ihn für sieben verschiedene Laufzeiten und fünf verschiedene Währungen.
  • EONIA (Euro OverNight Index Average): Dabei handelt es sich um den Zinssatz, zu dem unbesicherte Kredite in Euro von einem Tag auf den nächsten gewährt werden (Tagesgeldkredite). Dieser Referenzzinssatz bildet vor allem die Basis für Swaps auf Zertifikate, Zinsen und Indices.

Effektiver Jahreszinssatz

Der effektive Jahreszinssatz, abgekürzt auch Effektivzins genannt, beinhaltet begrifflich sämtliche mit der Kreditaufnahme zusammenhängenden Kosten, die jährlich bezogen auf die nominale Kreditsumme anfallen.

Der Effektivzins wird in Prozent des Auszahlungsbetrages angegeben. Generell sind für die Höhe des Effektivzinssatzes der Nominalzins, das Disagio, die Tilgung und die Zinsbindungsfrist ausschlaggebend.

Ändert sich die Kostenstruktur im Verlauf der Kreditlaufzeit wird ein anfänglicher effektiver Jahreszinssatz berechnet. Annuitätendarlehen im Rahmen von Baufinanzierungen geben regelmäßig einen solchen anfänglichen Zinssatz an.

Bei Verbraucherdarlehen bestimmt die Preisangabenverordnung (Paragraf 6) welche Kosten im Effektivzins enthalten sein müssen. Verbraucherdarlehen sind Kredite, die Unternehmen mit Verbrauchern abschließen, also Darlehen zur privaten Nutzung.

Die genauen Vorgaben der Preisangabenverordnung (PAngV) ermöglicht es Kreditnehmern, die Konditionen von Darlehen untereinander zu vergleichen.

Für einen Kreditvergleich anhand konkreter Angebote sind die Effektivzinsen nach PAngV die entscheidende Größe und nicht die ebenfalls angegebenen Sollzinssätze.

Allerdings berücksichtigt der effektive Jahreszinssatz nach der Preisangabenverordnung nicht alle Kosten, die mittelbar und unmittelbar im Zusammenhang mit einer Kreditaufnahme stehen. Im Effektivzins sind enthalten:

  • Sollzinssatz (vormals Nominalzinssatz), regelmäßig der größte Posten.
  • Tilgungssatz,
  • Disagio/Damnum,
  • Zahlungsfälligkeit wie vereinbart,
  • Bearbeitungsgebühren,
  • Vermittlungsprovisionen,
  • Kosten für die Immobilienbewertung, sofern erforderlich für die Kreditgewährung,
  • Alle weiteren Kosten nach Paragraf 6 Abs. 2 Ziffer 1 PankV.

Nicht enthalten hingegen sind weitere Kosten, die wenigstens mittelbar in vielen Fällen bei einer Kreditaufnahme anfallen können.

Sie sind teilweise in Paragraf 6 Abs. 4 PankV aufgeführt:

  • Bereitstellungszinsen,
  • Teilauszahlungszuschläge,
  • Bestimmte Kontoführungsgebühren,
  • Kosten im Zusammenhang mit der Eigentumsübertragung von Grundstücken oder grundstücksgleichen Rechten (Grundbuchkosten, Notarkosten),
  • Kosten für Versicherungen und andere Zusatzleistungen, die keine Voraussetzung für die Vergabe des Kredits in der vorgesehenen Form sind (Restschuldversicherungen, Kreditausfallversicherungen und andere Finanzprodukte).

Bei klassischen Ratenkrediten sind die Kosten für Restschuldversicherungen besonders relevant. Sie werden nur dann im effektiven Jahreszins berücksichtigt, wenn sie unabdingbare Voraussetzung für den Abschluss des vorgesehenen Kredites sind.

Diese Aussage wird in der Werbung und im Kreditvertrag in fast 100 % aller Fälle peinlich vermieden.

Meistens heißt es, der Abschluss einer Restschuldversicherung ist optional. Gleichzeitig aber wird der Abschluss solcher Finanzprodukte wärmstens anempfohlen.

In solchen Fällen sind also die zusätzlichen erheblichen Kosten für die Restschuldversicherung nicht im effektiven Jahreszinssatz enthalten. Sie entstehen zusätzlich.

Effektiver Zins: Faustformel zur Berechnung

Den effektiven Zinssatz vor Kreditaufnahme genau nachzuvollziehen oder zu berechnen ist nicht ohne weiteres möglich.

Aber man kann den effektiven Jahreszinssatz schätzen nach der Uniform-Methode, sofern einige Angaben zu den Kosten vorhanden sind. Beispiel:

Der Kredit (Annuitätendarlehen) beträgt 10.000 € und soll in dieser Höhe ausgezahlt werden (ohne Disagio). Bei einer Laufzeit von 60 Monaten beträgt der anfänglich gebundene Sollzinssatz 5,0 %.

Für klassische Ratenkredite ist dies gegenwärtig eine durchaus realistische Annahme. Abgesehen vom Sollzins fallen noch 80 € weitere Kosten an.

Die Formel für die Berechnung der Effektivverzinsung nach der Uniform-Methode lautet:

  • (Kreditkosten / Nettodarlehensbetrag) x (24 / (Laufzeit in Monaten + eins)) x 100

Die Kreditkosten berechnen sich wie folgt: gesamte Rückzahlung abzüglich Auszahlungsbetrag oder Ratenanzahl multipliziert mit der Rate, abzüglich Auszahlungsbetrag.

Der Nettodarlehensbetrag errechnet sich aus dem Nennbetrag des Kredits abzüglich der Kreditkosten.

Für unseren Beispielfall ergibt sich folgende Rechnung, wobei die vollständigen Kreditkosten sich zusammensetzen aus den gesamten Sollzinsen für die Laufzeit und den angenommenen 80 € weitere Kosten.

Die Sollzinsen betragen insgesamt 1.323 €. Das ergibt Gesamtkosten in Höhe von 1.403 €.

  • (1.403 / 8.597) x (24 / 61) x 100 = 6,41 % geschätzter anfänglicher effektiver Jahreszins für dieses Annuitätendarlehen.

Dieselbe Rechnung soll jetzt unter Berücksichtigung einer der üblichen Restschuldversicherungen durchgeführt werden.

Für unseren Beispielkredit sind zusätzliche Kosten in Höhe von 1.300 € realistisch.

  • (2.703 / 7.297) x (24 / 61) x 100 = 14,56 % geschätzter anfänglicher effektiver Jahreszins unter Berücksichtigung der Kosten für die Restschuldversicherung.

Das Beispiel zeigt, welche immensen Auswirkungen Restschuldversicherungen auf die Kosten haben können.

Eine einfachere Formel für die Abschätzung des effektiven Jahreszinssatzes lautet:

  • Kreditkosten x 100 / ((Nettodarlehensbetrag) x Laufzeit in Jahren)

Nochmals die Formel für den Nettodarlehensbetrag: Darlehensnennbetrag (hier 10.000 €) abzüglich Kreditkosten.

Die Berechnung des effektiven Jahreszinses nach der Uniform-Methode findet man auch auf Wikipedia.

Realzins

Der Realzins hat Bedeutung, wenn Verbraucher in eine verzinste Geldanlage investieren. Er sollte immer im Auge behalten werden, um Verluste zu vermeiden.

Denn besonders hohe Guthabenzinsen bedeuten für sich allein noch nicht, dass durch die Geldanlage ein Nettoertrag erwirtschaftet wird. Vielmehr kommt es darauf an, was von den Zinsen nach Abzug der Inflationsrate übrig bleibt.

Der Realzins ist also die Differenz aus dem vereinbarten Guthabenzinssatz einer Sparanlage und der Inflationsrate in Prozent. Beträgt der Sparzins 1,1 % und liegt die Inflationsrate nur bei 0,6 %, bringt das einen Realzins in Höhe von 0,5 % vor Steuern.

Was beeinflusst die Zinshöhe?

Mittelbar beeinflussen die Entscheidungen der Notenbanken, in Europa die EZB, die aktuelle Zinshöhe.

Fallen die Leitzinsen, geschieht irgendwann mit den Kreditzinsen dasselbe und umgekehrt.

Unmittelbare Auswirkungen haben die Leitzinsen auf die Höhe der Kreditzinsen jedoch nicht. Vielmehr hängen die Kreditzinsen von den sogenannten Geldmarktzinsen oder den Kapitalmarktzinsen ab.

Kredite mit kurzen Laufzeiten orientieren sich an den aktuellen Geldmarktzinsen.

Diesen Zinssatz müssen institutionelle Teilnehmer am Geldmarkt - Banken, Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaften und große Unternehmen - aufbringen, wenn sie einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf durch Fremdmittel abdecken wollen.

Euribor und Libor nehmen hier eine Leitfunktion ein.

Kredite mit längeren Laufzeiten wie Immobiliendarlehen orientieren sich regelmäßig am Kapitalmarktzins.

Dieser Zinssatz orientiert sich an der Umlaufrendite länger laufender festverzinslicher Wertpapiere wie Bundesanleihen oder Pfandbriefe.